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Liebe Geschwister, liebe Nichtmuslime, das da oben sind nicht meine Worte. Ich habe diesen Satz einem Interview entnommen, welches ich euch nicht vorenthalten will. Neben Avi Primor (ehemaliger israelischer Botschafter) und Jürgen Todenhöfer (Medienmanager des Burda-Konzern, ehemaliger CDU-Abgeordneter) äußert sich nun ein weiterer Mann des öffentlichen Lebens, zum Thema Islam und Terrorismus. Es ist kein geringerer als der weltberühmte Autor John le Carré.

John le Carré alias David Cornwell ist ein mehrfach preisgekrönter Schriftsteller. So erhielt er unter anderem 2005 für sein Buch “Der Spion, der aus der Kälte kam”, den Preis für den besten Kriminalroman der letzten 50 Jahre. Mit dem Buch feierte le Carré internationale Erfolge. “Der Spion, der aus der Kälte kam” diente dem gleichnamigen Film als Vorlage. (wikipedia.org)

In dem am 10.11.08 geführten Interview, äußert er sich zu Krieg gegen Terror, Angstschürung und… ja, lest es euch einfach durch! Hier einige Auszüge:

Vor gut fünf Jahren schrieben sie in einem vielbeachteten Essay mit Blick auf die Politik von George W. Bush, Amerika sei in die schlimmste seiner Phasen historischen Wahnsinns eingetreten. Sehen sie Amerika jetzt mit der Wahl von Barack Obama geheilt davon?

Le Carré: «Es ist ein historischer Moment wie einst der Fall der Berliner Mauer. Wir glauben jetzt, dass wir eine Stimme haben in Obama, einen großen Staatsmann. Als die Berliner Mauer niedergerissen wurde, war es einer dieser Augenblicke, in denen wir die Welt hätten umgestalten können. Aber wir hatten keinen Notfall-Plan für den Frieden, das war das Drama. Der Moment war schnell verflogen, doch jetzt haben wir wieder so eine historische Chance. Wir wollen jetzt wissen, was will er wirklich, wer ist er. Ich würde mich freuen über einige klare Aussagen von ihm. “Ich kann nicht der Präsident von Guantanamo sein”, wäre eine davon. Obama muss die geheimen Gefängnisse schließen, in denen bis zu 27 000 Menschen ohne die üblichen Rechte schmoren.»

Sie sind als scharfer Kritiker des amerikanischen Kriegs gegen den Terror bekannt.

Le Carré: «Ich persönlich glaube, dass der Krieg gegen den Terror nicht angemessen geführt wird. Natürlich muss es ein effizientes Vorgehen der Polizei gegen Terroristen geben. Aber der Krieg gegen den Terror ist in einen religiösen Krieg zwischen Christentum und Islam verwandelt worden. Und dann ist das Vorgehen gegen die Taktik des Terrorismus in einen territorialen Krieg ausgeartet. Das hat uns idiotischerweise in den Irak gebracht, und das hält uns auch in Afghanistan.»

Wie kam es, dass Sie ihr neues Buch «Marionetten», dass eine Geschichte aus dem Kampf gegen den Terrorismus erzählt, komplett in Deutschland angesiedelt haben?

Le Carré: «Ihr Land steht jetzt vor Entscheidungen, die mein Land schon getroffen hat – und zwar meiner Ansicht nach die falschen. Entscheidungen über die Einschränkung von Bürgerrechten, die Einschränkung der Privatsphäre in diesem sogenannten Krieg gegen den Terror. Ich hoffe, dass in diesem Obama-Moment der Geschichte auch die Diskussion in Deutschland eine andere Richtung einschlagen wird. Sie haben Millionen Ausländer, die sie integrieren müssen. Deutschland hat mich schon immer fasziniert. Und jetzt schien es ein perfekter Schauplatz für diese Geschichte.»

Macht die Terror-Gefahr nicht auch eine verstärkte Überwachung erforderlich?

Le Carré: «Wir hatten in unserem Land die IRA. Die hatten halb England in die Luft gejagt, sie hätten fast Margaret Thatcher erwischt, wir haben so viele Menschenleben verloren – wir haben aber begriffen, dass man die Nachteile einer Demokratie hinnehmen muss, um eine Demokratie zu bleiben. Darum geht es. Und zu der Zeit als wir mit der IRA wirklich ein Terror-Problem hatten, wurden wir, glaube ich, nicht annähernd so überwacht wie heute. Kein Vergleich. Man kann in den Städten nicht ein Paar Kilometer zu Fuß oder mit dem Auto zurücklegen, ohne dass man von einem Dutzend Kameras erfasst wird.»

Wo liegt dann die Lösung?

Le Carré: «Je mehr Angst wir uns selber einjagen, desto mehr verlieren wir den Krieg gegen den Terror. Darum geht es. Wie kann man wissen, ob man den Terror besiegt hat? Wie kann man wissen, ob ein Anschlag der letzte war? Es ist eine Situation, die nur durch Integration und gegenseitige Toleranz gelöst werden kann. Es muss eine politische Lösung geben. Wir müssen mit den Taliban reden. Wir müssen mit dem Iran reden.»

Wie kommt es, dass Sie so oft mehr Toleranz für den Islam fordern?

Le Carré: «Ich habe mich schon länger für den Islam interessiert. Anfang der 80er verbrachte ich mehrere Wochen in Palästinenser-Lagern im Südlibanon, als ich den Roman “Die Libelle” schrieb. Ich habe Freunde, die islamisch sind. Deshalb fand ich es immer schwer, mich an dieser globalen Verurteilung des Islam zu beteiligen. Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die amerikanische Ideologie-Maschinerie praktisch sofort auf den Islam als neuen Feind umgeschwenkt.»

Sie argumentieren auch, Gewalt im Kampf gegen den Terror schafft neue Terroristen.

Le Carré: «Ich kann die Wurzeln des Terrors verstehen – was natürlich nicht heißt, ihn zu entschuldigen. Ich denke da an meine Erlebnisse in den Palästinenser-Lagern. Ich sah wunderbare Kinder, Jungs von neun oder zehn Jahren, die schon mit hölzernen Kalaschnikow- Maschinenpistolen trainieren. Ich kann mich in deren Rolle vorstellen, genauso, wie ich in der Hitlerjugend hätte landen können – denn wir kämpfen die Kriege, die wir geerbt haben. Wir kämpfen dafür, was man uns beigebracht hat. Darum geht es auch in meinem Buch. Jeder hat einen Vater. Jeder versucht, sich gegen ihn durchzusetzen.» (islamische-zeitung.de)

Diesem Interview möchte ich noch anfügen, dass das Phänomen des “Islamisten” oder “muslimischen Terroristen” erst mit Amtsantritt des US- Präsidenten George W. Bush auf die Bildfäche getreten ist. Wohlgemerkt ein Präsident, dessen Wahlkampf von Ölkonzernen mitfinanziert worden ist. Vorher war ein Muslim einfach nur ein Muslim. Fragt sich denn keiner, wer Nutzen aus dem Anschlag auf das World Trade Center gezogen hat? Die Muslime jedenfalls nicht.

Sicher ist nur eins, nach dem 11. September 2001 war der Weg für Amerika zu Öl- und Gasvorkommen gelegt. Afghanistan und der Irak sind sowohl geografisch für das Errichten von Militärstützpunkten, als auch wirtschaftlich durch den Zugang zu Erdöl- und Gasvorkommen wichtig für die USA. 2003 hat der Spiegel den Berater des Pentagon und ehemaligen CIA Direktor James Woolsey auf die Rolle des Erdöls in der US-Politik angesprochen. All diejenigen, die den Krieg in Afghanistan und im Irak als einen Akt der Verteidigung und Kampf gegen den Terror ansehen, möchte ich bitten, sich auch dieses Interview, geführt vom Spiegel mit Herrn Woolsey, durchzulesen:

SPIEGEL: Zurück zur Achse des Bösen: Irak hat Erdöl, Nordkorea nicht. Die Regierung Bush hat schon im Mai 2001 eine Neuausrichtung ihrer Energiepolitik angekündigt. Macht die Abhängigkeit von importiertem Öl Amerika nicht besonders verwundbar?

Woolsey: Öl ist die Lebensader aller Industrienationen. Zwei Drittel der bekannten Ölvorräte liegen am Persischen Golf. Als Saddam 1990 in Kuweit einmarschierte und sich den saudi-arabischen Ölfeldern näherte, war er lediglich einige hundert Kilometer davon entfernt, knapp die Hälfte aller weltweit nachgewiesenen Ölreserven unter seine Kontrolle zu bringen.

SPIEGEL: Also geht es auch diesmal um Öl …

Woolsey: … aber nicht nur um Amerikas Abhängigkeit vom Öl, sondern um die der ganzen Welt. Auf kurze Sicht liegt unsere grundlegende Verwundbarkeit darin, dass die Saudis die Fördermenge schnell drosseln oder steigern können, weil sie über die Hälfte der weltweiten “swing capacity”, insgesamt vier Millionen Barrel, verfügen. Damit haben die Saudis entscheidenden Einfluss auf den Ölpreis. Wir müssen dem Nahen Osten die Ölwaffe wegnehmen. ( Der Spiegel,20.01.2003, S. 108 )

Zum Schluss möchte ich nochmal John le Careé zu Wort kommen lassen, der die gegenwärtige Situation mit den Medien sehr treffend beschreibt:

“Wenn wir sterben, dann sterben wir an Selbstbetrug, Desinteresse und Apathie. Die Medien mit ihrem, eingebetteten Journalismus haben versagt, haben sich alles erzählen lassen und verbreiten weiter die Lügen der Regierungen….” (wikipedia.org)

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    Stand: 20.08.2010

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