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Zu Gast bei Pessimisten

Sicherlich ist uns der alte Slogan aus dem Jahre 2006 „Die Welt zu Gast bei Freunden“ allen recht bekannt. Ein Slogan soll in kompakter Form eine Aussage rüberbringen und das Volk rückartig beeinflussen. Im Grunde ist der Glaube an so was nichts anderes als Naivität. Doch man erfährt alles andere als Gastfreundschaft. Wie oft haben wir gehört, dass es am Integrationswillen mangelt, obwohl doch eher gewollt war, dass wir all unsere Recht ablegen, unsere Religion nicht ausleben. Fern von Toleranz und grundlegender Rechte.

Schon klar, Ausländer sind integrationsunwillig, können kein Deutsch und wollen sowieso nur das Sozialsystem ausnutzen: Vorurteile gegen Migranten sind weit verbreitet, die Mehrheit der Deutschen hat Angst vor Überfremdung. Dabei ist Deutschland dringend auf Zuwanderung angewiesen, kommentiert Hasnain Kazim.

Mit großer Sicherheit kamen wir alle schon mal in Situationen an denen wir gegen diese Vorteile kämpfen mussten. Doch wer nun denken mag, dass nur die Ausländer davon betroffen sind vermag zu vergessen, dass vor allem wir Muslime als Verweigerer der Integration gelten. Und dabei wird völlig vergessen, dass wir ebenfalls Geschwister haben die gebürtige Deutschen sind, doch diese zählen dann als Abtrünnige und Verräter und gehören nicht mehr zu dem gastfreundlichen Deutschland.

Der ältere Mann in der Warteschlange vor der Kasse der Buchhandlung schaut mich an, blickt erstaunt auf die Bücher, die ich bezahlen will, und fragt: “Sie lesen auf Deutsch?”

Eine etwas dunklere Haut, Augenfarbe und Haarfarbe oder auch islamische Bekleidung sind Merkmale dafür, dass man nicht dazu gehört und sowieso nicht willkommen ist. Man prangert an, dass der Anpassungswille zu gering sei und man sich abgrenzen will und Randgruppen schaffen will. Doch, dass man zu den Randgruppen drängt wird außer Acht gelassen. Wenn du an einem Ort nicht willkommen bist suchst du dir einen in dem du es bist. Oder etwa nicht?

Migrantenkind bleibt Migrantenkind. So mancher Deutscher hat offensichtlich eine ganz eigene Deutungshoheit darüber, was deutsch ist und was nicht. Integration ist eben auch nur so weit möglich, wie eine Gesellschaft sie zulässt.

Und Allah sagt im Quran:

Sure 68 Al- Qalam (Das Schreibrohr) Vers 9
Sie möchten gern, dass du schmeichelst, so dass (auch) sie schmeicheln (können).

Mit schmeicheln wird auch nachgeben gemeint, das heißt hinsichtlich der Religion Entgegenkommen zeigst. Damit ist nichts anderes gemeint, dass man sündigen soll. Somit wird klar, dass man hier in Deutschland kaum eine wahre mehrseitige Gastfreundschaft erfahren wird. Zumal wir uns der Wahrheit stellen müssen, dass sowohl die Regierung mit dem Beseitigen der Ausländer für die Wahl werben.

Und dann muss man auch noch all das Gerede ertragen, mit dem Politiker ihre Wahlkämpfe würzen – sei es der “Kinder statt Inder”-Unsinn von Jürgen Rüttgers oder die fremdenfeindliche Kampagne von Roland Koch, der in Hessen ein Verbrechen von zwei ausländischen Jugendlichen in München zum Hauptthema seiner Politik machte. Und das Gerede über Gastarbeiter – ohnehin ein unhöfliches Wort, wer lässt schon seine Gäste arbeiten? Nein, es sind Menschen, die hier arbeiteten, ihre Steuern zahlten und ein Recht darauf haben, hier zu leben – als Mitbürger, nicht als Gäste.

Es ist politisch inkorrekt, Rechtsradikalismus als ein überwiegend ostdeutsches Problem zu bezeichnen, aber völlig hinnehmbar, wenn ein Nichtdeutscher aus Sorge um sein Leben bestimmte Gegenden meidet. Es ist auch völlig hinnehmbar, dass deutsche Bürger, die einer anderen Religion angehören diskriminiert werden. Es ist völlig hinnehmbar, wenn man uns Muslime angreift. Doch wenn wir auf unser Recht der Religionsfreiheit bestehen nennt man uns Verweigerer und Unheilstifter.

http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,603609,00.html

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