Der pädagogische Aspekt der Kindererziehung aus der Sicht des Islam (4)
2.2. Die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen im Leben;
„ Und verfolge nicht das, wovon du keine Kenntnis hast. Wahrlich das Ohr und das Auge und das Herz – sie alle sollen zur Rechenschaft gezogen werden.“
(Qur’ an, Kapitel Al- Isra, Vers 36)
Augen:
Wir sind sehr wohl imstande uns auszusuchen, was wir aus unserer Umgebung, die wir wahrnehmen und aufnehmen, auch behalten möchten. Wir können dafür sorgen, dass unsere Kinder dass „geeignete“ ansehen, indem wir z. B. am Computer nur pädagogische Spiele anbieten.
Ohren:
Eine ehemalige Arbeitskollegin erzählte mir einmal, wie lustig sie es fand dem Kind ihrer Freundin Schimpfwörter in den Mund zu legen. Das klang, wie sie sagt „ so süß“. Das Kind fand es toll. Ich machte meiner Arbeitskollegin klar, dass ich so etwas nicht erlauben würde. Meinem Kind würde ich auf eine bestimmte Art und Weise, ohne laut zu werden, erklären, dass ich so eine Redensart nicht hören möchte und das es schönere Wörter gibt.
Es ist nicht einfach, doch jedem Menschen gebührt sein Recht. Kinder haben das Recht auf ehrliche Art und Weise aufs Leben vorbereitet zu werden, mit ihren Höhen und Tiefen.
Der Gesandte, Friede sei auf ihm, küsste sein Enkelkind in der Gegenwart eines Mannes. Dieser sagte ‚ Ich habe zehn Kinder, und nie habe ich eines davon geküsst!’ Der Gesandte Friede sei auf ihm, schaute auf ihn und sagte: “ Wer nicht barmherzig ist¹, findet auch kein Erbarmen.“
Auszüge aus dem Sahih Al- Buharyy, Hadith 5997
„..und eine jede Seele schaue nach dem, was sie für morgen vorausschickt…..“
( Sura Al- Hasr, Vers 18)
Wenn wir einem Menschen, Alters entsprechend, Dinge erklären, ist es unser Ziel, dass sie/er es versteht und dadurch eine Erkenntnis gewinnt. Dadurch entwickelt sich Verständnis.
Ein kleines Beispiel aus meinem privaten Bereich möchte ich angeben: Mein Schwager wollte einmal, spät am Abend zu einem Vortrag fahren, da begann meine Nichte lauthals zu weinen, weil sie ja mitwollte. Da er sie nicht so stehen lassen konnte, fragte er sie, wie sie denn die Mama mit dem kleinen Geschwisterchen alleine lassen kann, wer soll denn jetzt auf die beiden aufpassen, wenn er nicht da ist? Jemand muss zurückbleiben und die Verantwortung übernehmen. Sie hörte wirklich auf zu weinen und ging zu den beiden, denn sie musste ja jetzt auf beide acht geben.
Zum Erforschen seiner Umwelt, gehören auch diese zwischenmenschlichen Beziehungen. Missfallen, Unklarheiten, Unstimmigkeiten werden nicht umgangen, um einer unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen, sondern der Ursprung wird erforscht. Zweifel sind aus dem Weg zu räumen, das geht nur wenn man Fragen stellt.
Es ist sehr schlecht für die Psyche ständig in Unsicherheit zu leben. Das Hirn „ spinnt sich schnell etwas zusammen „. Aus Unwissen könnten z. B. Verdächtigungen entstehen.
„Und wenn ihr im Zweifel seid über das, was Wir auf unseren Diener ( Muhammed ) herabgesandt haben, so bringt doch eine Sura gleicher Art herbei und beruft euch auf eure Zeugen außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid……” Qur’ an, Kapitel Al- Baqara, Vers 23 – 25
Der Gesandte, Friede sei auf ihm, sagte:
„ Lass das, was in dir Zweifel erweckt, zugunsten dessen, was in dir keinen Zweifel erweckt.“
(Vgl.”Hadith für Schüler, An-Nawawyy’s Vierzig Hadithe mit Kommentar, s.113, IB Verlag Islamische Bibliothek, 7. Auflage, 2001)
Im Quran wird ein Fall beschrieben, der direkt den Gesandten, Muhammed, Friede sei auf ihm, betrifft. Seine Frau Aischa, ALLAHS Wohlgefallen sei auf ihr, die er sehr liebte, wurde der Untreue beschuldigt. Die ganze Stadt sprach einen ganzen Monat lang über diesen Skandal, selbst ihr eigener Ehemann, der Gesandte, Friede sei mit ihm, begann an ihrer Unschuld zu zweifeln, bis er die Offenbarung bekam:
„Hätten sie doch darüber vier Zeugen beigebracht! Da sie aber Zeugen nicht beigebracht haben, so sind diese bei Allah die Lügner.“
„Als ihr es mit euren Zungen aufgegriffen und mit euren Mündern das gesagt habt, wovon ihr kein Wissen hattet, und es für eine leichte Sache gehalten habt, während es bei Allah eine ungeheuerliche Sache ist.“
„Und hättet ihr doch als ihr es hörtet, gesagt:’ Es steht uns nicht zu, darüber zu sprechen. Preis sei Dir! Das ist eine gewaltige Verleumdung!“
„Am Tag da ihre Zungen und ihre Hände und ihre Füße gegen sie Zeugnis ablegen werden über dass, was sie zu tun pflegten.“
„……freigesprochen sind diese von dem, was man über sie redet. Für sie wird es Vergebung und ehrenvolle Versorgung geben.“
„Diejenignen, die die ungeheuerliche Lüge vorgebracht haben, sind eine gewisse Schar von euch. Meint nicht es sei schlecht für euch; nein! Vielmehr ist es gut für euch. Jedermann von ihnen wird zuteil, was er an Sünde erworben hat…..“
Qur’ an, Kapitel En- Nur, Vers 13 – 26
Wie schon Vera Birkenbihl (“Stroh im Kopf”) erwähnt hat, Außenreize sind ein Muss, es kommt nur darauf an, wie der Mensch reagiert. Sie schreibt auch, dass sich der Mensch, durch falsche Reaktionen, z. B. aus Wut, selbst im Wege steht.
Wenn wir, muslimische Frauen mit unserer „Bedeckung“ in die Öffentlichkeit gehen wird sehr darauf geachtet, wie wir uns benehmen und man merkt sofort, ob wir dazu stehen. Ich bin ALLAH so dankbar, dass ich selten Kommentare bekomme und finde es sehr amüsant, dass manche Menschen durch bestimmte Blicke, Scham bei mir “herauskitzeln” möchten. Doch ALLAH demütigt sie und nicht mich, denn der Effekt den solche Menschen erzielen möchten, geht daneben. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir uns für irgendetwas entschuldigen, was unseren Din (den Islam) betrifft.
Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen und ich nicht wie, es diese “zivilisierte” Welt angestellt hat, aber bis vor kurzem hatte ich dieselbe schlechte Meinung über den Islam, wie der Westen, den ich bis dahin nicht praktiziert habe. Irgendwie impfen sie dir ein, dass der Islam schmutzig ist (wir waschen uns fünf mal am Tag!- die meisten Österreicher waschen sich nicht einmal die Hände nach dem Wc- Gang, nach eigener Aussage einer Österreicherin “die sind ja eh’ sauber”…), dass er rückständig ist (bis vor kurzem durften in der sogenannten “zivilisierten” Welt die Frauen nicht wählen), usw.
Es wird immer Konflikte geben und wenn es nicht mehr die Muslime sind (daran wird ja gearbeitet doch ALLAH beschützt unseren Din- den Islam) dann werden sie alle viel glücklicher sein, denn dann müssen sie sich nur noch um Inzest Vergewaltiger, Mörder, Diebe,… kümmern, doch das macht die “zivilisierte” Welt mit links, denn die waren Störenfriede sind ja jetzt weg, die Muslime.
Wenn Konflikte entstehen können sie nützlich sein. Aus jeder Situation kann gelernt werden. Aus einem Konflikt entsteht ein stärkeres Selbstbewusstsein, wenn man am eigenen Standpunkt festhält! Sie können aber auch späteres „Unheil“ vermeiden.
Meine Eltern „predigten“ meiner Schwester und mir immer vor, wie wichtig es sei einen Abschluss „in der Tasche zu haben“. Zu unserer Zeit kam es nicht vor, das die Schule abgebrochen oder mehrmals eine Schulstufe wiederholt wird. Ich gebe zu, dass mich dieses immerwährende „Gerede“ nervte, doch unsere Eltern hielten an ihrem Standpunkt fest. Es ist manchmal nötig, Kinder zu ihrem Glück zu „zwingen“, und ich bin heute sehr dankbar dafür! Obwohl ich nicht weiterstudiert habe, erkenne ich nach so vielen Jahren, dass es mir einiges erleichtert.
Jetzt habe ich den Mut gefunden mich weiterzubilden und ich kann dort weitermachen, wo ich aufgehört habe und brauche nicht erst eine Studienberechtigungsprüfung zu absolvieren. Als Jugendliche sah ich das alles viel lockerer, und sah vielleicht alles durch die rosarote Brille, ich dachte mir immer, wenn es sein muss kann ich ja alles nachholen. Heute ist mir erst bewusst, wie wichtig es ist die Zeit zu nutzen!
Der Gesandte, Friede sei auf ihm, sagte einmal, dass der Mensch die Jugend vor dem Alter, Gesundheit vor Krankheit, Reichtum vor Armut und das Leben vor dem Tod nutzen soll.
(Riadu-s-alihin)
Es ist nie zu spät sich zu verbessern oder etwas wiedergutzumachen! Kindern zeigen, dass es keinen Menschen gibt der alles kann, das bedeutet auch, wenn ich einmal eine Frage nicht beantworten kann, gebe ich zu, dass ich es nicht weiß. Fehler sind menschlich und aus Fehlern lernt man, nichts ist sinnlos solange man daraus eine Lehre zieht. Wichtig ist nur nach vorne zu sehen, denn da brauche ich meine Energie. Sie für das vergangene, welches schon vorbei ist, zu verschwenden. Das ist destruktiv.
„…..wahrlich die guten Taten tilgen die bösen.“
Die ungefähre Bedeutung des heiligen Quran, Kapitel Hud, Vers 114
Genauso können wir Kindern zeigen, dass sie selbstbewusst ihr Wissen weitergeben können. Natürlich gibt es Grenzen, andere Kinder sollen dadurch nicht gedemütigt werden.
Bescheiden zu sein ist schön, doch nur zum richtigen Zeitpunkt. Wenn ich etwas kann und meiner Umgebung damit nutze, ist Schamgefühl falsch angebracht.
Der Gesandte, Friede sei auf ihm, stellte seinen Schülern fragen, um ihre Neugier zu wecken, z. B. Welcher Baum ist immer grün, seine Blätter fallen nie ab, er schenkt dem Menschen kühlen Schatten und es hängen Früchte an diesem Baum? (Die Dattelpalme) Buch „ Auszüge aus dem Sahih Al- Buharyy“, Überlieferung 0061 und „ Poslanik kao ucitelj“, Abdulfettah Ebu Gudde, s.
Ein Junge traute sich nicht die Frage zu beantworten, obwohl er sich sicher war, dass er richtig lag. Er verschwieg die Antwort, aus Respekt vor den Älteren, um sie nicht bloßzustellen. Sein Vater erklärte ihm, dass es für alle besser gewesen wäre, wenn er die Antwort gesagt hätte.
Das Kind kann sich früh angewöhnen, Prioritäten zu setzen und Gedankenvorgänge zu ordnen. Zum Beispiel, bevor „ich“ mir meine Schuhbänder schnüre, muss ich das Blatt aus meiner Hand legen, dann geht’ s viel leichter. Solche Vorgänge können wir immer wieder betonen und die Kinder sehen selbst, dass es wirklich einfacher ist.
Alles braucht seine Zeit, alles geht nur schrittweise voran, das ist ein kosmisches Gesetz. Wenn wir unsere falschen Handlungen bewusst erleben – was denn da alles passiert – können wir auch beginnen positive Alternativen zu schaffen. Diese Prozesse können nur langsam ablaufen!
Daher ist es auch viel einfacher, von klein auf, gelehrt zu bekommen, neugierig durchs Leben zu gehen, aber gleichzeitig andere Menschen zu respektieren. Wo der Wille eines anderen Menschen anfängt hört meiner auf, wenn ein Mensch nicht bereit ist alles aus seinem/ihrem Leben zu erzählen, muß ich das akzeptieren, auch wenn mein Interesse noch so groß ist.
von Schwester Ahiret

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