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Minderheit ist nicht gleich Minderheit

Nach dem Minarettenverbot in der Schweiz sind sich viele Menschen sicher: Bei den Minaretten bleibt es nicht. Was kann man noch verbieten? Welcher Minderheit soll man noch Rechte abnehmen? Soll man bei den Muslimen bleiben oder darf man auch andere nicht-christliche Religionen diskriminieren? Ganz nach dem Motto "Wenn wir schon dabei sind…" oder "Ganz oder gar nicht".

Christophe Darbellay seit 2006 Präsident der CVP Schweiz forderte das Verbot von Kopftüchern in öffentlichen Funktionen und keine neuen Friedhöfe für Moslems und Juden.

Hat er da eine Kleinigkeit zu viel gefordert? Muslimen die Rechte abzuschneiden ist doch in Ordnung, aber den Juden?

"Ich habe kein Verständnis dafür, dass er Verfassungsgrundsätze infrage stellt, um nach der Minarett-­Initiative Aufmerksamkeit zu heischen", so Yves Kugelmann vom jüdischen Magazin «Tachles».

Verfassungsgrundsätze nach der Minarett-Initiative in Frage stellen? Der Grundsatz der Religionsfreiheit wurde doch schon vor der Minarett-Initiative in Frage gestellt. Für mich ist das doch eine "logische" Erweiterung der Forderung gegenüber Minderheiten.

"Mit dieser Forderung würde die Schweiz ins vorletzte Jahrhundert zurückkatapultiert", so Michael Chiller-Glaus von der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.

Genau. Der Muslimin/Muslima das Tragen von Kopftüchern zu verbieten katapultiert die Schweiz ins letzte Jahrhundert. Ach ne, damit war wahrscheinlich nur die Forderung nach den judischen Friedhöfen gemeint.

Laut SP-Präsident Christian Levrat hat der CVP-Chef «eine rote ­Linie überschritten»: «Er versucht, die Rechten rechts zu überholen. Das ist verantwortungslose Hetzerei.» Selbst in der eigenen Partei findet Darbellay keinen Rückhalt.

Endlich sagt jemand , was diese Forderungen sind. Verantwortungslose Hetze! Es wird energisch Hetze gegen Minderheiten getrieben. Würde dies auch Hetze genannt werden, wenn das Wort "Jude" nicht gefallen wäre?

CVP-Nationalrätin Kathy Riklin: "Wir sind sehr unglücklich darüber, dass er diese Diskussion ausgelöst hat."

Diese Diskussion wurde nicht erst hier ausgelöst, sie wird hier nur weitergeführt. Womöglich meinte sie: "Wir sind sehr unglücklich darüber, dass er diese Diskussion auf die jüdische Bevölkerung ausgedehnt hat" ?

Dabei ist der Graben zwischen einer geglückten Themensetzung und dem politischen Glatteis oft schmal.

Es ist geglückte Themensetzung, wenn man Kopftücher nur für Muslimas/Musliminen verbieten will. Es ist politisches Glatteis, wenn man den Juden ihre Friedhöfe verbietet.

In einem offenen Brief entschuldigt sich Christophe Darbellay: "

Meine Äusserungen waren persönlicher Art. Ich hatte sie auch in der Hitze des Gefechts [...] zuwenig differenziert ausführen können und wurde von der Frage bezüglich jüdischer Friedhöfe überrascht, gegen welche ich mich nicht aussprechen wollte.

[...] Wir [haben] als einzige Partei mit einem weiteren Grundlagenpapier reagiert "Sie sagen Minarette und meinen Moscheen- Es geht auch anders". In diesem Papier haben wir [...] die Stellvertreterdebatte um die Minarette klar verurteilt. Sogar die Befürworter der Initiative geben heute zu, dass es gar nicht um die Minarette ging. Weshalb haben sie dies nicht schon früher getan?"

Die Entschuldigung möge ernst gemeint sein. Er kann sich in "Hitze des Gefechts" zu diesen Äußerungen verleiten lassen haben. Wenn schon diesem Mann, einem Politiker, einem Präsidenten einer Partei, solche Forderungen leicht über die Lippen gebracht werden können, wie leicht ist es durch ständige mediale Verbreitung möglich, diese einem "normalen" Bürger zu entlocken?

Die ganzen Proteste auf eine einzige Forderung haben diesen Mann veranlasst sich dafür zu entschuldigen und diese Forderung wieder zurückzuziehen. Da merkt man den Umgang mit verschiedenen Minderheitenreligionen. Tausende praktizierender Moslems können da protestieren, verurteilen, Anstoß daran nehmen oder eine Entschuldigung verlangen. Ihnen wird gesagt, sie sollen mit den Rechten zufrieden sein, die ihnen – immer mehr eingeschränkt – gegeben werden. Der Forderung einiger weniger jüdischer und nicht-jüdischer Vertreter wird sofort nachgegangen.

Viele Kommentatoren dieser Hetzseiten empfinden dies als ein Rückschritt der Unterdrückung des Islams. Dieser "Vorfall" schade der richtigen "Diskussion". Wieso eigentlich? Dadurch, dass es zeigt, dass es nicht um die Einschränkung der "kleinen" Religionen geht, sondern speziell um die Einschränkung der Moslems?

 

Quellen: http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Darbellay-stoesst-die-Juden-vor-den-Kopf-22838252

http://www.tagblatt.ch/aktuell/schweiz/tb-in/Darbellays-Tritte-in-den-Fettnapf;art143,1430482 http://www.kath.ch

/index.php?PHPSESSID=ujj2mki83on9r0g9mkva9knep4&na=11,11,0,0,d,44768

3 Antworten auf Minderheit ist nicht gleich Minderheit

  • Saturnous sagt:

    Ich bin mir bei der Schweiz nicht so sicher. Aber in Frankreich ist das tragen JEGLICHER religiöser Kennzeichen während der Ausübung eines öffentlichen Amtes verboten. Und das ist auch RICHTIG so, um die neutralität des Beamten erst garnicht zur Diskussion zu stellen.

  • Djibrila sagt:

    Saturnous, da kann man geteilter Meinung sein.
    Unter “Neutralität eines Beamten” verstehe ich hauptsächlich, daß er gerecht handelt und die Richtlinien auf alle Klienten gleich anwendet.

    Das bedeutet aber nicht, daß er seine persönliche Einstellung verstecken muß.

    Ob er im Rollkragenpullover im Büro sitzt, oder sich dem Krawattenzwang unterwirft oder durch ein Kreuz am Revers zeigt, daß er Christ ist, all das ist Ausdruck seiner Lebensauffassung und sagt nichts über seine Arbeitsweise aus.

    Die Kleidung dient nun mal nicht nur zum Wärmen, sondern ist auch ein Teil der Persönlichkeit und zeigt bis zu einem gewissen Grad auch die Gesinnung (Punker sieht anders aus als Hippie, Minirockmädchen anders als Dame, usw).
    Symbole der persönlichen Lebenseinstellung zu verbieten halte ich für überflüssig, ja sogar anmaßend, denn es ist ein Maulkorb für die non-verbale Kommunikation.

    In letzter Konsequenz würde das Verbot der Individualität auf Uniformierung hinauslaufen.

    Dann würden wir alle in blauen Jäckchen rumlaufen müssen wie in China.

    Herrn Sarkozy, dem Sohn einer sephardischen Jüdin aus Griechenland und eines ungarischen Christen der in Algerien in der Fremdenlegion diente, hätte ich etwas mehr Sinn für kulturelle Vielfalt zugetraut.

  • Djibrila sagt:

    Zum eigentlichen Thema:
    Christophe Darbellay hat mit seiner Forderung nach dem Verbot von Kopftüchern und von neuen Friedhöfen für Muslime und Juden also eine “rote Linie” überschritten… soso… gut zu wissen.
    Liebe Schweizer, wo genau verläuft denn diese imaginäre “rote Linie”? Da wo es um jüdisches Kulturgut geht?
    Ich hätte zu gerne gewußt ob er sich auch entschuldigt hätte wenn es nur um muslimische Friedhöfe gegangen wäre.
    Ob die CVP-Nationalrätin Kathy Riklin dann auch gesagt hätte “Wir sind sehr unglücklich darüber, dass er diese Diskussion ausgelöst hat.” ?
    Ich glaube nein. Allah (t) möge mir verzeihen wenn ich mich irre.