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Stellungnahmen und Pressemitteilungen der Masjid Taiba Teil 2

m Rahmen der Artikelreihe Stellungnahmen und Pressemitteilungen der Masjid Taiba, zeigen wir heute eine weitere Stellungnahme des Arabisch-Deutschen Kulturvereins e.V. in Hamburg.

2. Teil
Der Journalismus steckt in einer Krise und wir Muslime müssen es ausbaden!

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) ist die Journalistenorganisation innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Sie ist eine Berufsgruppe innerhalb der Fachgruppe Medien in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Am 28.11.2009 veranstaltete die dju ihren alljährlichen Journalistentag unter dem Motto "Vom Wert unserer Arbeit!".
Das Ergebnis dieser Veranstaltung war vorauszusehen, ist aber trotz alledem nicht minder besorgniserregend.
"Vierte Gewalt in der Krise", Journalistentag 2009 warnt vor Qualitätsverlust durch Honorardumping und Medienkonzentration, titelt die junge Welt in ihrem Artikel vom 30.11.2009.


Desweiteren ist im Artikel folgendes zu lesen:
Die Zeiten, in denen der Rotstift im Zeitungsgewerbe nur bei den Druckern angesetzt wurde, sind vorbei. Längst hat die Existenzangst auch die Redaktionen erreicht. Freie Journalisten haben ohnehin täglich damit zu kämpfen, das wurde in mehreren Redebeiträgen deutlich. Arbeitsverdichtung und Stellenverluste, »Outsourcing«, massiver Einsatz von Leiharbeit und schlechte Honorierung freier Mitarbeiter belasten nicht nur die Zunft, sondern auch den qualitätsbewußten Teil der Leser. »Die Bedingungen für Unabhängigkeit und Qualität der Medien haben sich massiv verschlechtert«, sagte ver.di-Vize Frank Werneke gleich zu Beginn.
Und weiter:
Weit mehr Journalisten sind durch die trotz Wirtschaftskrise unverändert hohen Ertragserwartungen der Medienkonzerne bedroht.

Bereits in unserer Stellungnahme vom 05.10.2009 namens Darstellung des Islams und der Muslime in den Medien wurde dieser Umstand ausführlich dargelegt. Doch wer schenkt schon der Stellungnahme einer mutmaßlichen Terror-Moschee glauben?

Die Vierte Gewalt oder Vierte Macht ist ein informeller Begriff für die Presse. Er soll veranschaulichen, dass die Presse die öffentliche Meinung mit prägt und damit auch die Staatsgewalt beeinflusst. Grundlage dieser analogen Begriffsbildung ist die nach dem rechtsstaatlichen Prinzip der Gewaltenteilung beschränkte Staatsgewalt durch Verteilung auf Legislative, Exekutive und Judikative. Wir sprechen hier also nicht nur von einer Krise in einem bestimmten Wirtschaftszweig, sondern von einer Krise in einem Teil der rechtsstaatlichen Gewaltenteilung.
Dieser Mangel an qualitativer journalistischer Arbeit fällt dem Otto-Normal-Konsumenten häufig garnicht auf. Die Mehrheit der Konsumgesellschaft bevorzugt sowieso die leichte und anspruchslose Lektüre der etablierten Boulevardpresse à la BILD und MoPo. Aber wenn man selber Ziel der Berichterstattung ist, dann wird einem schnell klar auf welchen Niveau die Vierte Gewalt im demokratischen Staate ihrer Verpflichtung nachgeht.

Ein schönes Beispiel ist hier z.B. die Berichterstattung des Hamburger Abendblattes. Der letzte Artikel über unseren Moschee-Verein zeigte mal wieder das Unvermögen weiter Teile der hiesigen Presse, wenn es um das differenzierte und verantwortungsvolle Berichten über die muslimische Minderheit in diesem Lande geht…trotz merklich wachsender Islamophobie.
St. Georg: Taiba-Moschee islamistisches Zentrum – In Hamburg gibt es 115 "Heilige Krieger" heißt die letzte Schlagzeile im Hamburger Abendblatt. Der Artikel ist am 27.11.2009 erschienen und wurde von einem Herrn Jan-Eric Lindner verfasst. Hier ein kurzer Auszug:
45 Dschihadisten, so schätzt der Hamburger Verfassungsschutz, leben derzeit in Hamburg. 70 weitere, so sagt Verfassungsschutz-Chef Heino Vahldieck, stehen an der Schwelle zur Radikalisierung. Für sie ist es zumindest denkbar, eines Tages den "Heiligen Krieg" gegen die "Feinde des Islam" zu unterstützen. Für die meisten von ihnen ist die Taiba-Moschee am Steindamm (ehemals Al-Kuds-Moschee) ein Haupttreffpunkt. An jenem Ort also, an dem sich die Attentäter vom 11. September 2001 trafen, werden offenbar auch weiterhin Muslime radikalisiert.

Als erstes stellt sich erstmal die Frage, was ein Dschihadist sein soll. Im Duden findet man diesen Begriff nicht. Es ist also eine Wortschöpfung ohne allgemein verständliche Bedeutung. Der Eindruck, den man allerdings bekommt, läßt auf Muslime schließen, die sich im Dschihad befinden, in diesem Fall gar im bewaffneten Dschihad (also Krieg). Es gibt in Hamburg also 45 Muslime die sich im bewaffneten Dschihad befinden und 70 weitere stehen an der Schwelle zum Dschihad. Das müßte ja auffallen. In welchen Teil dieser Stadt darf man denn mit diesen kriegerischen Auseinandersetzungen rechnen?

Spaß beiseite. Dieser Ausdruck ist vollkommen irreführend. Genauso wie der Ausdruck "Heilige Krieger", der in der Schlagzeile benutzt wird. Denn "Heilige Krieger" gibt es 115, Dschihadisten aber nur 45. Das bedeutet dann wohl, das "Heilige Krieger" ein Überbegriff ist, dieser beinhaltet die 70 "Heilige Krieger" die noch an der Schwelle zur Radikalisierung stehen und die 45 weiteren, die durch den Radikalisierungsprozess bereits eine Stufe zum "Dschihadisten" aufgestiegen sind. Alles klar!
Und diese Radikalisierung findet, laut dem Abendblatt, (offenbar) in unserem Moschee-Verein statt. Beweise gibt es dafür natürlich nicht, dass wird ja auch im Artikel offen zugegeben.
Und in der Tat ist die Taiba-Moschee für viele von ihnen ein Anlaufpunkt. Das ist jedoch nicht zwingend ein Verbotsgrund für den Verein, der die Moschee betreibt." Dafür, so Hamburgs oberster Verfassungsschützer, seien handfeste Beweise notwendig, dass von dort konkrete Gefahren ausgingen bzw. Straftaten geplant würden. Weil dies bisher nicht der Fall ist, sei eine Schließung derzeit keine Option.

Ein weiterer Anhaltspunkt für die schlechte journalistische Arbeit ist ein vergleichbarer Artikel des Abendblattes vom 07.10.2009, also vor nichtmal 2 Monaten. Dort hieß die Schlagzeile Islamismus: Treffpunkt ist Moschee am Steindamm – Terrorgefahr: In Hamburg leben 50 "Heilige Krieger".
Vor nicht einmal 2 Monaten gab es nur 50 "Heilige Krieger" in Hamburg. Wir haben also eine Wachstumsrate von über 100%. Natürliche Vermehrung können wir aufgrund des knappen Zeitraumes wohl ausschliessen.

Liebe Leser, wir bitten um Verzeihung, wenn diese Stellungnahme für ihren Geschmack zuviel Sarkasmus enthält. Aber als Betroffener dieser deklatanten Berichterstattung, ist ein Verfall in diese Redeform die einzige Möglichkeit, um die Gefühlslage angemessen zu veranschaulichen. Die Lage ist alles andere als lustig und ein Leben als praktizierender Muslim in Deutschland gestaltet sich zunehmend schwieriger. Diese undifferenzierte Berichterstattung heizt das ohnehin schon schlechte Klima in der Gesellschaft immer weiter an. Die Islamophobie nimmt überhand und die stetig wachsende Minderheit an Menschen, die diese Islamophobie gezielt anfacht, bekommt immer mehr Akzeptanz. Das Hamburger Abendblatt hat in den letzten Monaten mehrfach über unseren Moschee-Verein berichtet, aber nicht ein einziges mal wurden wir zu den Vorwürfen angehört.
Das, was beim Verfassungsschutz und beim LKA als "Dschihadisten" offeriert wird, sind nichts anderes als Muslime mit einer eigenen Meinung. Die Einsätze der US-Streitkräfte und ihrer Handlanger in den islamischen Ländern sind völkerrechtswidrig und unverhältnismäßig. Breite Teile der deutschen Bevölkerung sehen das auch so und sind z.B. für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Viele Muslime fühlen sich solidarisch mit dem (durchaus legitimen) Widerstand in den besetzten islamischen Ländern. Diese Solidarität ist weder eine strafbare Handlung, noch ist sie in irgendeiner Weise verwerflich. Diese Muslime als "Heilige Krieger" oder gar "Dschihadisten" zu bezeichnen, ist völlig überzogen und erzeugt ein völlig falsches Bild.
Als Dschihadist sollten (wenn überhaupt) solche Muslime bezeichnet werden, die sich tatsächlich im bewaffneten Dschihad befinden. Aber man könnte auch völlig auf solche bedeutungsfreien Wortschöpfungen verzichten und Begriffe benutzen, die in diesem Zusammenhang bereits existieren, wie z.B. Mudschahid.
Wir können die Beunruhigung der deutschen Bevölkerung und der Sicherheitsorgane durchaus nachvollziehen, wenn es um Anschlagsdrohungen gegen die deutsche Zivilbevölkerung geht. Die überwältigende Mehrheit der Muslime und auch der sogenannten "Heiligen Krieger" und "Dschihadisten" lehnen diese Art der Kriegsführung ab und auch die Taiba-Moschee hat diesbezüglich einen Passus in ihre Selbstdarstellung eingefügt. Es geht von unserem Moschee-Verein keinerlei Gefahr in diesem Zusammenhang aus.
Wir können nur immer wieder darauf hinweisen, dass unsere Moschee immer und für jeden offen ist. Bei uns ist jeder Tag "Tag der offenen Moschee" und es findet sich immer jemand, der in deutscher Sprache Auskunft über den Islam und unsere Aktivittäten geben kann. Glauben sie nicht alles was die Zeitungen schreiben, sondern machen sie sich selber ein Bild. Suchen sie das Gespräch zu sogenannten Islamisten, Fundamentalisten und Dschihadisten, und sie werden merken, dass das Medienbild eine Verzerrung der Wirklichkeit ist.

Eure Masjid Taiba

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3 Antworten auf Stellungnahmen und Pressemitteilungen der Masjid Taiba Teil 2

  • windlicht sagt:

    assalamu alaikum,

    also dass man weiss ob jemand radikal ist und ein sogenannter jihadist, kann man ja vielleicht irgendwie glauben oder verstehen. aber folgender satz aus obigem text hört sich irgendwie nach wahrsagerei oder kaffeesatzlesen an: 70 weitere, so sagt Verfassungsschutz-Chef Heino Vahldieck, stehen an der Schwelle zur Radikalisierung.

    deswegen zweifle ich nicht nur an der glaubwürdigkeit des verfassungsschutzes sondern unterstelle ihnen auch noch dass sie lügen und und angst in der deutschen bevölkerung verbreiten um unruhe zu stiften.

    wie kann ein mensch wissen ob jemand an der Schwelle zur Radikalisierung steht. ich meine schläft der nachts bei ihnen und verbringt er seinen ganzen tag mit diesen leuten. wie soll das ohne die fähigkeit hellzusehen gehen.
    selbst wenn man tag und nacht mit einer person zusammen ist kennt man sein gegenüber oft nicht richtig.
    können die in das herz dieser personen reinschauen. das kann nach meinem wissen nur ALLAH.
    ich finde solche äusserungen zum kotzen. sie machen mich einfach nur krank.

    was bezweckt man damit?

    assalamu alaikum

  • Sandzak_1 sagt:

    Ich glaube sehr wohl, dass auch die “Journalisten” ganz genau wissen, dass das absolut untragbar ist was Sie schreiben und einfach nur billige hetze darstellt und genauso glaube ich auch, dass sowas gewollt ist.

    Die folgen einem Vorhaben und das ist nicht faire Berichterstattung zu bringen, wenn es um den Islam bzw. um die Verbreitung des Islam geht.

  • Ibn Rainer sagt:

    Das schlimmste an dieser Sache ist, dass der VS regelmäßig Symposien abhält, um die Medien über den aktuellen Stand der “dschihadistischen Islamisierung” in Hamburg aufzuklären.
    Sie nennen dabei Zahlen und Namen…obwohl sie zugeben müssen dass sie dafür aber keine Beweise haben.
    Und die Presse (in diesem Falle das Hamburger Abendblatt) schluckt diese unbewiesenen Mutmaßungen und macht damit die Bevölkerung verrückt.
    Und der Gipfel des Unvermögens ist dieser Wachstum:
    Am 7. Oktober 2009 berichtet das Hamburger Abendblatt “In Hamburg leben 50 “Heilige Krieger”"…und am 27. November 2009 (also nicht einmal 2 Monate später) berichtet die gleiche Zeitung “In Hamburg gibt es 115 “Heilige Krieger”".
    Was für ein Schwachsinn.

    Ibn Rainer