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Gastkommentar von Bruder Abud (16)

Betrachten wir das Problem aus islamischer Sicht: Am Anfang waren Adam und Eva (Hauwā’) im Paradies und waren sich ihrer Nacktheit nicht bewußt, bis IblÄ«s, der Stammvater aller Satane sich an sie heranmachte und dazu verführte, vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen, woraufhin ihnen ihre Nacktheit bewußt wurde und sie diese als anstößig empfanden. Von da an empfanden auch alle ihre Nachfolger unter den Anhängern der Propheten der Offenbarungsreligionen die Nacktheit als anstößig. Der letzte Prophet in dieser Kette, Muhammad – Allah segne ihn und seine Familie und gebe ihnen Heil – setzte bezüglich des Mindestmaßes an Bekleidung sowohl für den Mann als auch die Frau klare Regeln, während die Christen, die ihre eigene ScharÄ«´a großenteils aufgegeben und verändert hatten, sich diesbezüglich nach dem Zeitgeist der jeweiligen Gesellschaften richteten.
Nachdem der Satan unsere Stammeltern dazu gebracht hat, die Nacktheit als anstößig zu erkennen, versucht er nun umgekehrt, den Menschen die Bedeckung des Körpers als anstößig erscheinen zu lassen. Mit Menschen, die ihre Beziehung zur Religion größtenteils abgebrochen haben oder nur noch sehr schwach unterhalten, und ihre sittlichen Werte aufgegeben haben, hat er leichtes Spiel. Ihnen erscheint es als Gipfel der erträumten Freiheit, sich in der Öffentlichkeit soweit wie möglich nackt zu zeigen. Und diejenigen, die er für diese Idee gewonnen hat, macht er zu seinen Werkzeugen, um die anderen Menschen, die sich nicht dafür begeistern, notfalls mit Gewalt zu entkleiden. So bringt er die einen dazu, an sich selbst zu sündigen und darüber hinaus den anderen noch psychisches Leid zuzufügen.

Natürlich verbreitet er die Idee der Nacktheit nicht überall und immer offen, sondern versteckt und getarnt. Um der muslimischen Frau wenigstens die Kopfbedeckung abzunehmen, muß die Vorstellung herhalten, sie trage diese nicht freiwillig und aus Überzeugung, sondern unter Zwang, und man müsse sie „befreien“. Wo dieses Argument nicht zieht, erklärt man das Kopftuch zu einem Symbol für eine politische Ausrichtung, Extremismus oder irgendetwas anderes, von dem man die Mehrheit überzeugen kann, daß es verboten gehört. Daß die angeblich zu wahrende Neutralität des Staates beim Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen an staatlichen Schulen nur ein an den Haaren herbeigezogener Vorwand ist, zeigt ein Gerichtsurteil in NRW, wo einer Lehrerin das Tragen selbst einer neutralen Baskenmütze untersagt worden ist. Führende österreichische Juristen hingegen sind zum Schluß gekommen, daß Lehrer und -innen weniger unmittelbare Vertreter des Staates sind als Polizisten / -innen und Richter / -innen, was sich auch darin äußert, daß letztere im Gegensatz zu ersteren Uniformen oder Roben tragen.
Hinzu kommt, wie von einigen Forschern festgestellt, daß die meisten Gesellschaften und Gemeinschaften bestimmte Aufnahmerituale haben, in denen das Individuum erniedrigt wird und mit denen es die ungeschriebenen Gesetze der Gemeinschaft anerkennt. Nachdem die körperliche Entblößung in den freizügigen Mehrheitsgesellschaften eine gewisse ungeschriebene Legitimität erlangt hat, kann von ihnen nicht hingenommen werden, daß Personen, die zu ihrer Gesellschaft gehören wollen, sich dem widersetzen. Das alles geschieht mehr oder weniger unterbewußt, während es im äußeren Bewußtsein von verstandesmäßigen Argumenten, bzw. Scheinargumenten, überdeckt wird, wie dem angeblichen Verstoß einer Kopfbedeckung zur Neutralität des Staates, oder daß die Ganzkörperverschleierung ein Sicherheitsrisiko darstelle und dazu noch die Würde der Frau als menschliches Wesen beeinträchtige u.ä. Es gehört zu den bekannten Methoden des Satans, denjenigen Personen, die seinen Einflüsterungen nachgeben, das Falsche als wahr, und das Wahre als falsch darzustellen. So mögen vielleicht zahlreiche Politiker tatsächlich glauben, sich mit diesem Verbot für Recht und Wahrheit einzusetzen, während sie in Wirklichkeit das genaue Gegenteil tun.
In Wirklichkeit geht es bei diesen Verboten also nur darum, die Muslime zu demütigen und ihnen psychisches Leid zuzufügen. Das ist der Plan des Satans, der alle Menschen haßt, die sich nicht von ihm verführen lassen, ein Plan, der sich mit Mitgliedern einer moralisch abgesunkenen und unreligiösen Gesellschaft besser verwirklichen läßt, die sich zu seinen willigen Werkzeugen machen lassen hat. Wir sollten diesen Plan durchschauen und uns dagegen zur Wehr setzen.

Zweifellos ist ein „Burqa“-Verbot letztlich kontraproduktiv für diejenigen, die es verhängen. Der ägyptische Gelehrte und Prediger Ishaq al-Huwaini widerlegt den ehemaligen Scheich der Azhar-Universität, ´Ali Tantawi und weist nach, daß die Ganzkörperverschleierung im Islam sehr wohl von der Religion her zu begründen ist, ganz abgesehen davon, in welche Kategorie sie einzuordenen ist: ob erlaubt, wünschenswert oder gar Pflicht. Nachdem in der Schweiz durch Volksabstimmung ein „Minarettverbot“ verabschiedet worden ist, war die Rede davon, auch ein „Burqa“-Verbot durchzubringen, doch scheinen dessen Befürworter einen Rückzieher zu machen aus Furcht vor wirtschaftlichen Einbußen im Fremdenverkehr, da zahlreiche Touristen aus den reichen Golfstaaten kommen, wo die Frauen traditionell Burqa´ oder Niqāb tragen. Ähnliches könnte Deutschland im Falle eines solchen Verbotes treffen, wohin jedes Jahr nicht nur zahlreiche Touristen aus reichen muslimischen Ländern kommen, sondern auch Patienten zur medizinischen Behandlung, die meistens von ihren Familien begleitet werden. Die Zahl dieser Besucherinnen dürfte größer sein als der in Deutschland ansässigen Niqab-Trägerinnen, und ein solches Verbot Deutschland nicht nur wirtschaftliche Einbußen bescheren, sondern auch sein Image in der Islamischen Welt weiter schädigen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Ganzkörperverschleierungsverbot in Belgien und Frankreich auf den Tourismus auswirken wird.
Zudem würde ein solches Verbot zur Radikalisierung der einheimischen Muslime, insbesondere der Jugendlichen, beitragen. Auch wenn die meisten von ihnen selbst nicht von dem Verbot betroffen wären, so empfänden sie es doch als eine weitere Demütigung der Muslime durch den deutschen Staat. Ein großer Teil der Mitglieder einer ganzen Gemeinschaft können sich diskriminiert, gedemütigt und erniedrigt fühlen, wenn auch nur ein einziges ihrer Mitglieder auf Grund seiner Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft von einem Staat, der von sich behauptet, ein Rechtsstaat zu sein, ungerecht behandelt wird, wie dies der Fall des französischen Offiziers Alfred Dreyfus zeigt, der Jude war, und von dem die jüdische Öffentlichkeit auch in anderen Ländern den Eindruck hatte, er wäre anders behandelt worden, wenn er nicht Jude sondern Christ gewesen wäre. Diese sog. „Dreyfus-Affäre“, Ende des 19. Jhs., war mithin ein auslösendes Moment zur Entstehung der zionistischen Bewegung. Es bleibt abzuwarten, was diese „Burqa“- u.ä. Verbote und Demütigungen bei den Muslimen in den westlichen Ländern und weltweit auslösen und in Bewegung setzen. Sollte dies letztlich zur Errichtung eines wirklich islamischen Staates führen, in dem die Muslime Schutz vor solchen Demütigungen finden, so wäre dies ein positiver Effekt einer bösen Absicht.

Obwohl nur ein Stück Stoff, das die muslimische Frau vor dem Gesicht trägt oder nicht, trotzdem soviel Aufregung darum! Ich möchte nochmals darauf hinweisen, daß in den freizügigen westlichen – nicht mehr christlichen – Gesellschaften eine triebhafte Neigung zur Körperentblößung besteht, die anscheinend alles bekämpft, was sich ihr in den Weg stellt. Weil das Auftreten mit nacktem Körper unter Strafe verboten war, photographierten sich einige Leute in der ehemaligen DDR nackt im Freien: ein Ehepaar im Wald, eine Gruppe von Männern morgens um fünf Uhr, wo außer ihnen niemand auf der Straße unterwegs war. Der US-„Künstler“ Spencer Tunick macht weltweit Photos von riesigen Ansammlungen völlig nackter Menschen, wobei man erstaunt darüber sein kann, wie viele bereit sind, freiwillig dabei mitzumachen. Diese Szenen erinnern uns Muslime an die Beschreibungen vom Tage der Auferstehung, wo die Menschen versammelt werden: völlig nackt, barfuß, unbeschnitten. Allerdings wird das für sie kein Vergnügen sein, da jeder zu sehr mit sich selbst und seinen im diesseitigen Leben begangenen Sünden beschäftigt sein wird, als daß er auf die anderen schauen würde. Warum sind diese Leute so sehr darauf versessen, das bereits jetzt vorweg zu nehmen. Wir Muslime haben auch diese Versammlung der Massen, die uns an den Tag der Auferstehung erinnern soll, am Tage von ´Arafa während der Pilgerfahrt, allerdings mit dem Unterschied, daß unser Gesetzgeber es uns erspart hat, dabei völlig nackt aufzutreten.
Bereits vor einigen Jahren hielt einer der für seine Da´wa-Arbeit bekannten deutschen Brüder an einem kleinen See in Deutschland ein Zeltlager für muslimische Jugendliche ab. Als dort einige Leute unerlaubterweise nackt badeten, meldete er dies auf der nächstgelegenen Polizeistation. Der zuständige Polizeibeamte drückte sich jedoch davor, etwas zu unternehmen und redete sich damit heraus, allein zu sein und nur ein Fahrrad zur Verfügung zu haben. Ähnlich geht es in zahreichen anderen Fällen, wo trotz gesetzlichen Verboten nichts gegen Personen unternommen wird, die in der Öffentlichkeit splitternackt auftreten. Erscheinen aber nur einige wenige muslimische Frauen, die ihr Gesicht bis auf einen schmalen Streifen mit den Augen bedecken, ist das Geschrei groß, und wird dies als etwas Ungehöriges und Sittenwidriges angesehen!
Wenn wir Muslime in dieser moralisch abgestürzten Gesellschaft Menschen begegnen, die noch einen Rest an Bindung an ihre Religion bewahrt haben, wie einer katholischen Nonne in ihrem Habit, die diesen aus Überzeugung trägt, oder einem Mann, der sich beim Besteigen eines Wagens bekreuzigt, dann freuen wir uns darüber, selbst wenn diese Personen nicht unserer Religionsgemeinschaft angehören. Im Gegenzug jedoch erfahren die Muslime von der Masse der Mitglieder der Gesellschaft Mißtrauen, Ablehnung und Haß bei jeder Äußerung von Religiosität.
Habt ihr bemerkt, daß die Nichtmuslime sich nur beim Genuß alkoholischer Getränke zuprosten? Dabei hält man das Glas mit der rechten Hand hoch und schaut dem anderen in die Augen. Um welche Riten handelt es sich dabei? In Goethes Faust läßt Mephistopheles (der Satan) die Leute aus einem Faß Wein trinken, und als jemand unvorsichtig trinkt und etwas davon auf den Boden vergießt, wird der Wein zur Flamme: „Helft! Die Hölle brennt!“ … Dieser Drang, sich selbst und andere zu entkleiden und nackt zu sehen, scheint etwas ähnlich Teuflisches zu sein wie der Alkoholgenuß. Beides kommt aus derselben Quelle: den Einflüsterungen des Satans. Oder wie sonst wollte man den Drang vieler Politiker in Europa deuten, „Burka“-Verbote zu verhängen, obwohl es für sie weit Dringenderes und Wichtigeres zu tun gäbe, und sie davon keinerlei wirklichen Nutzen, sondern allenfalls Schaden haben? Sie wirken wie trunken vom Drang, dies tun zu müssen, wie besessen … vom Satan.
Wie aus einigen Interviews hervorgeht, halten es die befragten Personen für ihr natürliches Recht, der fremden muslimischen Frau direkt ins Gesicht, in die Augen zu blicken. Der Qur’ān verbietet dies jedoch und weist die muslimischen Männer und Frauen an, ihre Blicke niederzuschlagen, wenn sie miteinander sprechen. Die Nichtmuslime wollen also der muslimischen Frau verbieten, sich gegen diese im Islam verbotene Aufdringlichkeit durch Bedeckung ihres Gesichts zu wehren!
Was ist das für eine pervertierte Gesellschaft! Und was sind das für närrische Muslime, die sich zu dieser Gesellschaft bekennen!

3 Antworten auf Gastkommentar von Bruder Abud (16)

  • Dawa-News sagt:

    barakallahu fiek bruder,

    sehr schön geschrieben

  • Taker sagt:

    Ein überragender Artikel, der Fakten aufweist, die für viele neu sein mögen.
    Faktenreich und interessant geschrieben, hoffen wir, dass solche Texte auch an die richtigen Personen kommen.

    Der Grundtenor ist klar, wir (und damit meine ich auch die “Muslime”) entwickeln uns langsam zu einer immer OFFENEREN Gesellschaft, und das ist nicht positiv gemeint.

  • Nochci sagt:

    MaschaAllah! Sehr schön geschrieben und mit viel wissen.