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Der Iran wäre nur mit Atombomben in die Knie zu zwingen

Der in Kanada geborene, in London lebende Journalist Gwynne Dyer befürchtet, dass die USA bei einem Angriff auf den Iran Atomwaffen einsetzen werden, um nicht mit einer tota­len Niederlage aus dem Mittleren Osten abziehen zu müssen.

Als Admiral Mike Mullen, der Chef des US-Generalstabes und höchste US-Offizier, kürzlich in der NBC-Sendung "Meet The Press" gefragt wurde, ob die USA schon eine Plan für einen militärischen Angriff auf den Iran hätten, antwortete er einfach nur: "Wir haben einen." (Weitere Infos dazu s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost­archiv/LP_1 0/LP1 6610_11 081 0.pdf .)

Von Generalstäben wird erwartet, dass sie auch für die unwahrscheinlichsten zu­künftigen Eventualitäten planen. So wurden zum Beisiel noch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA jährlich Pläne für eine Invasion Kanadas aktualisiert – und das kanadische Militär machte Pläne, wie diese Invasion abgewehrt werden könnte.

Diese bis heute laufenden Planungsprozesse haben sicher auch ergeben, dass die USA einen Krieg gegen den Iran ohne den Einsatz von Atomwaffen nicht siegreich beenden können.

Die USA können diesen Krieg nur "gewinnen", wenn sie Hunderte von Atombomben auf die Militärbasen, die Atomanlagen und die städtischen Industriezentren des Irans abwerfen und dabei fünf bis zehn Millionen Menschen töten. Auf andere Art ist der Iran nicht zu schlagen.

Darauf hat auch Richard Clarke, der Anti-Terrorberater des Weißen Hauses, schon drei Regierungen hingewiesen.

In den frühen1990er Jahren sagte Clarke in einem Interview mit der NEW YORK TIMES, schon vor vier Jahren habe die Regierung Clinton die Bombardierung des Irans in Betracht gezogen, Militärexperten hätten ihr aber abgeraten.

"Nach einer langen Debatte konnten sich die führenden Militärs nicht auf einen Weg eini­gen, der die USA zum Sieg führen würde," äußerte er. Die Planer des Pentagons hätten einen Angriff auf den Iran simuliert, in dem die USA aber nicht gesiegt hätten.

Es ist nicht die Angst vor iranischen Atomwaffen, die den US-Generalstab vor einem Krieg mit dem Iran zurückschrecken lässt. Der Iran hat ja noch keine, und der (ge­gen ihn geplante) Krieg soll damit gerechtfertigt werden, dass er sie nie haben dür­fe.

Das Problem ist nur, dass den USA außer einem Angriff mit Atomwaffen nichts bleibt, was Teheran auf die Knie zwingen könnte und um Gnade bitten ließe.

Mit (konventionellen Bomben) könnten die USA die Atomanlagen und die Militärba­sen des Irans zwar nach Herzenslust bombardieren, aber alle dabei angerichteten Schäden wären in wenigen Jahren wieder zu beheben.

Eine realistische Möglichkeit für einen US-Einmarsch in den Iran gibt es praktisch nicht.

Der Iran hat etwa 80 Millionen Einwohner, und obwohl viele von ihnen das gegenwärtige Regime ablehnen, sind sie fast alle leidenschaftliche Patrioten, die gegen eine Invasion ausländischer Truppen heftigen Widerstand leisten würden.

Der Iran ist ein riesiges gebirgiges Land, rund viermal so groß wie der Irak.

Die Streitkräfte des Irans sind mit gegenwärtig rund 450.000 Soldaten kaum kleiner als die US-Armee, aber ihre Truppen sind – anders als die der USA – nicht über Dutzende Länder verstreut.

Wenn das Weiße Haus größere Operationen vorhätte, die über vereinzelte Landeunter­nehmen an der iranischen Südküste hinausgingen, würden führende US-Generäle aus Protest zurücktreten.

Ohne eine realistische Möglichkeit für einen Bodenkrieg können die USA den irani­schen Politikern nur mit noch mehr Bomben drohen; so lange das aber keine Atom­bomben sind, ist das wenig überzeugend. Der Iran hat hingegen viele Möglichkeiten, um die USA unter Druck zu setzen.

Wenn der Iran nur seine Ölexporte stoppt, würden die Ölpreise auf dem verkleinerten Markt in den Himmel schießen. Der Iran fördert etwa sieben Prozent des international ge­handelten Öls.

Außerdem könnte er weitere 40 Prozent der globalen Ölexporte verhindern, wenn er mit seinen treffsicheren Anti-Schiffsraketen vom Typ Noor (s. http://www.n-tv.de/politik/Iran­droht-mit-Gegenschlag-article1 1 85706.html ), die Tankschiffe versenkt, die Öl aus dem Irak, aus Saudi-Arabien und aus den anderen arabischen Golfstaaten befördern.

Die Anti-Schiffsrakete Noor ist ein iranischer Nachbau der chinesischen Rakete YJ-82 (s. http://en.wikipedia.org/wiki/C-802 ). Sie hat eine Reichweite von 200 km und kann (von der iranischen Golfküste abgefeuert) den ganzen Persischen Golf abdecken. Sie fliegt mit zweifacher Schallgeschwindigkeit nur wenige Meter über der Wasseroberfläche und ist vom Radar kaum zu erfassen. Ihre Treffsicherheit wird mit 98 Prozent angegeben.

Die ganze iranische Küste auf der Nordseite des Golfs ist sehr gebirgig und bietet viele si­chere Verstecke für die mobilen Raketen-Abschussvorrichtungen. Ihre Raketen könnten ohne Probleme im Golf fahrende Tankschiffe versenken; die Versicherungsprämien für Tanker, die den Persische Golf anlaufen wollen, würden so gewaltig ansteigen, das schon deshalb die Ölexporte aus dem Golf zum Erliegen kämen.

Im Kriegsfall würde der Iran die Taliban wahrscheinlich mit modernen Boden-Luft-Raketen beliefern, mit denen schnell die Einstellung aller US-Militäroperationen in Afghanistan zu erzwingen wäre. Als gegen Ende der 1980er Jahre die aus den USA gelieferten Stin­ger-Raketen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/FIM-92 Stinger ) in Afghanistan eintrafen, ver­loren die Russen so viele Hubschrauber, das sie ihre militärische Intervention bald einstel­len mussten. Die Iraner könnten mit ihren ballistische Raketen die US-Basen auf der südlichen arabi­schen Seite des Golfs beschießen, und die mit dem Iran verbündete Hisbollah im Libanon könnte mit ihren Raketen Israel angreifen.

Den USA bliebe als einzige Eskalationsmöglichkeit der Einsatz von Atomwaffen, denn der Druck, den Krieg zu beenden, würde mit jedem Tag wachsen, weil sonst überall auf der Welt die Industrie und der Verkehr zusammenbrächen.

(Ohne den Einsatz von Atomwaffen) bliebe den US-Truppen am Ende nur ein klägli­cher Rückzug, und der Iran wäre endgültig auf dem Weg zur dominierenden Macht in der Golfregion. Jedes der bisherigen Kriegsspiele des Pentagons, in dem ein Krieg mit dem Iran simuliert wurde, endete mit diesem Ergebnis, und Admiral Mullen weiß das auch.

Gwynne Dyer (s. http://www.gwynnedyer.com/ ) ist ein in London lebender unabhängiger Journalist, dessen Artikel in 45 Staaten veröffentlicht werden.

(Wir haben den Artikel, der erneut die Gefahr eines drohenden Atomkriegs aufzeigt, kom­plett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen.

 

http://www.nzherald.co.nz/world/news/article.cfm?c_id=2&objectid=10664122

 

von Gwynne Dyer – www.nzherald.co.nz – www.luftpost-kl.de

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3 Antworten auf Der Iran wäre nur mit Atombomben in die Knie zu zwingen

  • Bessarion sagt:

    Inschallah !

  • oli sagt:

    Das ist keine Überraschung,die U.S.A haben sich in den letzten Jahrzehnten immer nur auf Krieg mit Ländern eingelassen bei denen das Risiko vorher einiger Maßen kalkulierbar war(hat nicht immer geklappt).Am besten noch wenn es unter den Deckmantel von Terrorprävention in diesen Ländern etwas zu holen gab.Im übrigen,die U.S.A würden auch nie auf die Idee kommen mit Nordkorea,die ja für die Amerikaner auch zur “Achse des Bösen” gehören,Krieg zu führen.Daran sieht man das keine humanitären Beweggründe im Vordergrund stehen sondern nur das Interesse mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Gewinn zu erzielen.Feiglinge!

  • SalahCreations sagt:

    Wusste gar nicht das Iran so stark ist. Aber wer sind seine Verbündete und wer der USA? Das macht viel aus. Aber ein Blitzangriff auf Israel würde die Bündnisse aufheben bzw. zumindest schwächen. Was der USA wieder schlecht kommen würde.