Was ist erlaubt? – Islam und die Wirtschaftskrise
In Zeiten der Wirtschaftskrise sind auch viele Muslime verunsichert.
„Wohin mit meinem „Geld, was ist erlaubt, was verboten (laut Qur’an und Sunnah) und auf wen kann ich momentan vertrauen.“
Das schwierige Thema: „Geld richtig anlegen“, versuchte die Sendung „Markus Lanz“ am 16. Juli mit drei Studiogästen zu erörtern.
Eine 87-jährige Frau, die aus Aktien im Wert von 30.000 Euro, innerhalb von 8 Jahren Aktien im Wert von 500.000€ macht,
klingt nicht nur total verrückt, es ist auch verrückt.
Die Aktien gehörten dem verstorbenen Mann der Rentnerin und er übergab sie ihr mit den Worten „investiere bloß nicht weiter“.
Das nahm sich die Frau jedoch nicht zu Herzen und investierte und investierte. Doch die Wirtschaftskrise machte auch bei ihr nicht halt – wenn sie jetzt verkaufen würde,
hätte sie von den ehemaligen 500.000 Euro nur noch knapp 230.000 Euro, also weniger als die Hälfte.
Ihr System klingt so einfach, wie simpel: „Ich kaufe im Tiefkurs und verkaufe im Hochkurs“.
Über solch einen Spruch können die beiden Wirtschaftsexperten Dirk Müller (Mr.Dax) und Michael Opoczynski (ZDF – WISO) nur lachen:
„So einfach ist das Leben leider nicht“, kommentiert Mr.Dax, der von der Presse so genannt wird, weil er seinen Bürotisch genau unter der Dax-Tafel in der Börse stehen
hat und sein Gesicht zwangsläufig auf den Zeitungsfotos mit abgebildet wurde.
„Die Börse ist zu 90% Psychologie [...] man muss versuchen seine eigene Psychologie im Griff zu haben“.

Die Börse, ein Spielcasino?!
Wie gut Mr.Dax seine eigene Psyche im Griff hat beweist er, als die Gäste der Sendung dazu angehalten werden, auf verschiedene Werte Geld zu setzen. Auch hier sticht Dirk Müller wieder hervor, er ist der einzige der auf Gold als Anlage- bzw. Reserveform setzt. Er begründet es damit, dass Gold nie an tatsächlichem Wert verliere:
„Ein Herrenanzug kostete vor 150 Jahren genau so viel wie heute, nämlich ein Goldstück, versuchen sie das mal mit einem Geldschein“.
Der durchaus sympathische junge Mann lässt die Zuschauer immer wieder mit knallharten Fakten erstaunen, so kommentiert Dirk Müller das Sparbuch als Anlage wie folgt:
„Das Sparbuch ist eine wunderbare Form der Banken, uns das Geld aus den Taschen zu ziehen“.
Besonders interessant wird es, als die Gäste in den Aktienmarkt einsteigen sollen und zwar in Rohstoffaktien.
Während der konservative WISO-Moderator sich gierig auf die Nahrungsmittelaktien stürzt,
regt Mr.Dax sich auf und prangert die ethischen Werte einiger Spekulanten an:
„Wir müssen, egal welche Anlage wir machen, auch überlegen: was stellt mein Geld gerade an“.
Dirk Müller bezeichnet es als unverantwortlich, die Preise für Nahrungsmittel – wie Reis und Gerste- höher zu treiben und dabei andere Menschen hungern zu lassen.
„Wir haben tausende von Anlageprodukte, in die wir investieren und spekulieren können“ und völlig aufgebraust fährt er fort: „Finger weg von Lebensmitteln und Grundnahrungsmitteln,
hier geht es um das Leben der Menschen und Spekulation gehört hier nicht rein“. Das Publikum applaudiert. Der sture WISO-Moderator bleibt aber bei seinen Rohstoffaktien,
mit der Begründung, dass wir hier keine Diskussion über Ethik führen…
Dirk Müller lässt auch einen gesamtwirtschaftlichen Ausblick nicht offen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch einmal einen richtigen [wirtschaftlichen] Rücksetzer kriegen
ist hoch […] ich halte es für eine Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent, dass wir nochmal richtig absaufen in den nächsten Monaten“.
Dirk Müller vertritt im Grunde genommen die Werte der Schari’a, er setzt sein Geld nur in ethisch vertretbare Güter und er ist gegen das Zins- und Zinseszinssystem!
Leider geht aus dem Dreiteiler der Sendung der Aspekt mit den Zinsen nicht hervor, doch Dirk Müller erwähnt dies in seinem Buch: „Cashkurs“ und in vielen weiteren Videos,
die auf jeden Fall einen Blick wert sind!
Es gibt unterschiedliche Meinungen, ob Aktienhandel erlaubt oder verboten ist.
Aus islamischer Sicht ist das Feld der Aktiengeschäfte ein ziemlich kompliziertes, es wird zwischen den Gelehrten nach wie vor gestritten, ob es grundsätzlich erlaubt sei,
an einem Aktienmarkt Unternehmensanteile (Aktien) zu erwerben, oder nicht.
Hauptsächlich existieren bzgl. Aktiengesellschaften zwei Ansichten:
Einige Gelehrte sind der Ansicht, dass solch eine Kapitalgesellschaft islamisch nicht rechtmäßig sei. Sie begründen dies damit,
dass eine Aktiengesellschaft der Schuf’a (Einspruchsrecht des Teilhabers; bitte nicht mit der Deutschen „Schufa“ zu verwechseln) widerspricht, denn wenn zwei unabhängige Anteilseigner einer Aktiengesellschaft sich eine Aktie kaufen wollen, dürfen sie sich gegenseitig nicht daran hindern. Laut Schari’a müsse aber ein Einspruch stattfinden können, so einige Gelehrte.
Ein anderer Teil der Gelehrten sagt: Eine Aktiengesellschaft sei rechtmäßig, solange diese Gesellschaft sich nicht mit Dingen beschäftigt, die an sich verboten sind, wie z.B. Handel mit Alkohol, Schweinefleisch, Zinsgeschäfte, Glücksspiel usw.
Diese Gelehrten begründen ihre Ansicht mit dem Fiqhgrundsatz, dass im Bereich der zwischenmenschlichen
Beziehungen (im Gegensatz zum Bereich der gottesdienstlichen Handlungen) zunächst davon ausgegangen wird, dass alles erlaubt ist, es sei denn, es gibt ein Verbot,
welches auf den Offenbarungstexten (Qur‘an und Sunnah) basiert.
Bedingungen für die Rechtmäßigkeit
Die Gelehrten, die Aktiengesellschaften grundsätzlich als erlaubt ansehen,
machen jedoch einige Einschränkungen bzw. knüpfen die Rechtmäßigkeit an
einige Bedingungen, u.a. dürfen keine jährlich festen Beträge (Dividende) an die Aktionäre ausgegeben werden. Außerdem ist es nicht gestattet, dass der Aktionär das Recht hat,
den gesamten Nennwert der Aktie zurückerstattet zu bekommen (Garantie, nichts vom eingesetzten Kapital zu verlieren).
Diese beiden Einschränkungen sind darin begründet, dass ansonsten die
Aktie in Wirklichkeit ein auf Zinsen basierter Kredit sei.
Börse
Anders als beim Kauf von Aktien auf dem Aktienmarkt (Freimarkt), wo über die islamische Zulässigkeit gestritten wird,
sind sich die Gelehrten bei dem Thema „Börse“ einig,sie ist verboten (haram).
Etwa 2/3 der Börsentätigkeiten beruhen auf dem Auf- und Ab der Preise, wobei keine
Warenübergabe stattfindet. Es geht um Spekulation: Damit ist die Börse einem Glückspiel-Casino ähnlich. Der große Anteil an purer Spekulation bringt volkswirtschaftlich nichts,
denn das, was die einen gewinnen, verlieren die anderen.
Des Weiteren führt die Spekulation zu einer großen Unruhe auf den Märkten. So kann man sagen, dass das Wesen der Börsen das Glücksspiel ist, so wie das
Wesen der westlichen Banken das Zinssystem ist.
Islamisch-rechtliche Bestimmung (arab. hukm)
Die Konferenz für islamisches Recht kam zum Ergebnis, dass Börsenhandel verboten ist, da es sich hierbei um Spekulation, d.h. Glücksspiel,
handelt und weil dort virtuelle, nicht existente Güter verkauft werden, wobei nicht die Möglichkeit gegeben ist, dass sie real existent werden.
Wir können also zusammenfassen:
Handeln an der Börse ist verboten (haram).
Sparbücher sind prinzipiell nicht erlaubt, da sie auf Zinsen basieren und dass Zinsen verboten sind, muss denke ich nicht explizit erwähnt werden.
Erwerb von Unternehmensanteilen (Aktien) sind umstritten, die meisten Gelehrten tendieren jedoch zu der Meinung, dass es erlaubt sei,
solange keine islamisch unerlaubten Dinge erworben werden.
Für diejenigen Muslime, denen das Aktiengeschäft trotzdem zu heiß ist, sei gesagt, dass Gold und Silber nach wie vor zinsfrei und vollkommen erlaubt (halal)
sind und laut vielen Experten (u.a. auch Dirk Müller), sollte jeder Haushalt 10 bis 20 Prozent seines Vermögens als Sicherheit in diese Rohstoffe anlegen.
Möge Allah, der Allmächtige, uns diese Wirtschaftskrise (die womöglich noch mehrere Jahre andauern wird) gut überstehen und niemals Unerlaubtes begehen lassen.
Amin.
Ihr könnt euch die Sendung in der ZDF Mediathek anschauen oder in drei Teilen bei Youtube.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/798140
Quellen:
http://www.way-to-allah.com/dokument/Fiq…frecht.pdf
http://islam-qa.com/en/ref/124311/stock%20market



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