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Bildung – Ein Weg aus der Misere

 Neulich habe ich mir einen Film angeschaut. Gifted Hands-The Ben Carson Story, zu Deutsch: Begnadete Hände – Die Ben Carson Story. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und die Biografie heißt: Begnadete Hände -Die Geschichte des bekannten Neurochirurgen Ben Carson.

Der heute weltbekannte Neurochirurg wächst in armen Verhältnissen im Ghetto von Detroid auf. Er ist schlecht in der Schule und neigt zu Wutausbrüchen. Seine Mutter zieht ihn und seinen Bruder alleine groß. Sie schlägt sich als Haushaltshilfe und Putzfrau durch. Aber sie ermutigt stets ihre Söhne dazu in der Schule ordentlich zu lernen und verlangt von ihnen pro Woche zwei Bücher zu lesen und ihr darüber dann ein Aufsatz vorzulegen. Durch die Bücher eröffnet sich Ben Carson eine neue, wunderbare Welt. Er schließt die Schule als Jahrgangsbester ab und geht auf das Yale College. Während seiner Kindheit und seines Studiums sind die Hingabe und Glaube der Mutter in ihre Kinder und sein unerschütterlicher Glaube an Gott, die stärksten Motivationen und wichtigsten Stützen in seinem Leben. Ben Carson ist ein tiefgläubiger Christ.

Durch die erfolgreiche Trennung, der am Kopf zusammengewachsenen Binder-Zwillinge aus Ulm wird er weltbekannt. Heute ist er Professor an der Johns-Hopkins-School of Medicine in Baltimore (USA). Mit seiner Frau Candy gründete er eine Stiftung (Carson Scholars Fund), die an begabte Studenten Stipendien vergibt.

Als Afro-Amerikaner hatte er Rassismus, Ablehnung, Feindseligkeit und Vorurteile erfahren müssen. Er hatte mit Ressentiments, Missbilligung und Voreingenommenheit zu kämpfen. Jedoch hat er mit seinem Talent, Fleiß, Selbstdisziplin und dem unbeirrbaren Glauben an Gott und in seine Fähigkeiten im Leben alles erreicht. Eine wirklich sehr beeindruckende Lebensgeschichte.

Was können wir also daraus lernen?

Meiner Meinung nach sehr vieles: Zum einen, dass schulische Bildung einer der Wege aus der Armut und den damit zusammenhängenden Problemen ist, vor denen wir heute stehen. Mag sein, dass an dieser Stelle der Einwand folgt, die Alphabetisierung und Bildung in Deutschland und Europa sei kein Problem. Und dennoch werden Analphabeten in Deutschland auf 4 Millionen geschätzt, das sind 6,3 % der Bevölkerung.

Zum anderen lernt man aus dieser Geschichte, dass harte Arbeit, Fleiß, Selbstdisziplin und Geduld unerlässliche Tugenden im Leben sind. Man sagt ja nicht umsonst: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ oder auch „Übung macht den Meister“. Der Mensch ist fähig ungeahnte Dinge zu vollbringen. Dabei sind der Glaube und das Selbstbewusstsein genauso wichtige Faktoren, die einen Menschen all das erreichen lassen. Ein Mensch, der aus tiefstem Herzen glaubt, dass es ein Sinn in seinem Leben gibt und dass Gott ihm das Talent gegeben hat etwas Wunderbares zu vollbringen, wird es mit Hilfe seines Glaubens an den Schöpfer, an sich selbst und mit seinen Tugenden alles erreichen, wovon er träumt. In jeder Lebenslage wird er den Rat Gottes suchen, seinen ethischen Grundsätzen und Gottes Geboten folgen, seine Vernunft einsetzen um das Beste aus der Situation zu machen. Der Ausgang liegt allein bei dem Allmächtigen. Aber die Liebe, das Vertrauen und die Gewissheit sind fundamentale Bestandteile im Leben eines Menschen.

In diesem Artikel beziehe ich mich jedoch auf die Lage der Muslime, besonders in den arabischen Ländern, Ländern der Dritten Welt und Schwellenländern (bzw. E-9-Länder zu denen u.a. Bangladesch, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Ägypten, Mexiko, Nigeria und Pakistan gehören.)

Betrachten wir zunächst mal die momentane Situation der Muslime auf der ganzen Welt : Das größte gesellschaftliche Problem ist, aus meiner Sicht, der Analphabetismus. Warum, wirft sich die Frage auf, wo Gott doch im Koran sagt: "Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er erschuf den Menschen aus einem Embryo. Lies denn dein Herr ist Der Ehrwürdigste." (Quran 96:1ff).
Die Erörterung, warum ausgerechnet in den überwiegend muslimischen Ländern dieses Problem so verbreitet ist, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es soll an anderer Stelle darauf eingegangen werden, denn dazu gibt es viele verschieden soziologische Thesen /Analysen.

Nach Schätzungen der UNESCO wachsen gegenwärtig mehr als 100 Mio. Kinder weltweit ohne Schulbildung auf, davon 60% Mädchen. Weitere 150 Mio. Erwachsene sind Analphabeten, vorwiegend in Entwicklungsländern. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Süd- und Ostasien, die arabischen Staaten und Subsahara-Afrika gelten als Hauptproblemregionen. Etwa 600 Mio. der Jugendlichen und Erwachsenen Analphabeten auf der Welt leben in den E-9-Ländern, die zu den ärmsten und bevölkerungsreichsten der Welt zählen.

Eine Ausbildung gibt einem Menschen viele Möglichkeiten das Leben zu ändern und zu verbessern. So könnte auch die Kinderarbeit bekämpft werden, denn Kindern wird die Schulbildung vorenthalten aus Gründen der Armut, gesellschaftlichem Desinteresse oder veralteten, traditionellen Strukturen, die das Lesen und Schreiben besonders für Mädchen absolut unnötig finden.

An dieser Stelle appelliere ich an die Muslime auf der ganzen Welt:

Wir müssen uns endlich ändern! Wir müssen anfangen zu begreifen, dass wir die furchtbaren Lebensverhältnisse, in denen viele von uns sich befinden, durch Aneignen von Wissen und Allgemeinbildung, Lesen des Korans und Verstehen seiner Weisheit beseitigen können. Wenn wir doch nur diesen Teufelskreis von all den schrecklichen, abergläubischen und unsinnigen Traditionen, Spaltungen, Hass und Feinseligkeiten untereinander, Nationalismus und Fanatismus, gegenseitige Unterdrückung und Schuldzuweisungen, Angst, Missgunst, Verlogenheit und Passivität durchbrechen und die Menschen sich auf einer gleicher Ebene begegnen, können wir anfangen uns Gedanken, Entwürfe und Ansätze zu machen, wie wir unsere Probleme lösen.

Daher stehen alle Eltern in der Verantwortung, der zukünftigen Generation diese fundamentalen Werte, die übrigens allen drei monotheistischen Religionen gleich sind, an ihre Kinder weiterzugeben, sie so zu erziehen und dazu anzuleiten. Die Generation, die körperlich immer hart arbeiten musste und ein schweres Leben hatte, weiß um die Wichtigkeit der Bildung. Die Einsicht kommt immer später. Logischerweise ist es umso wichtiger, dass Eltern ihre Kinder immer ermutigen weiter zu lernen, sich hohe Ziele im Leben zu setzen und diese versuchen mit aller Kraft zu erreichen. Sie müssen ihre Kinder zur kulturellen, politischen und wissenschaftlichen Bildung ermutigen, begeistern, fördern und ihnen die Möglichkeiten schaffen sich zu entfalten. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der Eltern. Ich denke, dass jedes Elternteil sich ein schönes, erfülltes und sinnvolles Leben für sein Kind wünscht. Möglicherweise denkt sich jetzt jemand, Muslime haben doch ganz andere Sorgen: Wir werden bekämpft, unterdrückt, missverstanden, nicht gewollt sondern geduldet, unsere Länder werden besetzt und ausgebeutet Ja, das alles stimmt!

Und dennoch, Bildung ist zwar nicht die einzige und entscheidende Lösung, aber eine, die eine langanhaltende Wirkung für viele Generationen hat . Dieses Umdenken in den Köpfen der Muslime muss ein Prozess in Gang setzen, der dazu beitragen wird diese Probleme anzugehen, der Apathie ein Ende zu machen und endlich aktiv zu werden. Damit wir unseren Kindern eine bessere Welt ermöglichen.