Christliche Fundamentalisten in Amerika protestieren gegen TV-Show “All American Muslim”!
Christliche Fundamentalisten in Amerika zeigen wenig Toleranz gegenüber einer Show namens „All American Muslim“ („Durch und durch amerikanischer Muslim“) im US-Reality-TV. Sie beschwerten sich massiv über diese Sendung, die ihrer Meinung nach den Islam viel zu harmlos darstellen würde.
Laut ihrer Erklärung gäbe es im Islam GLÄUBIGE (!), die "eine akute Gefahr für die Freiheit und die traditionellen Werte wären".
Damit nicht genug überschütteten diese christlichen Islamgegner die Baumarktkette "Lowe's", die die Werbeblöcke der Serie kaufte, mit Protesten, worauf diese ihre Werbung mit "gewundenen Erklärungen" strich.
Durch diese Intoleranz der Christen sind nun Fronten aufgerissen worden und zu allem Überfluss stellen sie sich auch noch als Opfer hin!
Quelle:
Peine Allgemeine – 14.12.2011 -
http://www.paz-online.de/Nachrichten/Welt-im-Spiegel/Uebersicht/Kein-Platz-fuer-ganz-normale-Muslime
Da wird immer behauptet, von Muslimen geht der Ärger aus…Man sieht hier, wer der Urheber von Streit ist!
Geert Wilders entfacht ein Feuer, doch ist es Begeisterung?
Es werden große Unruhen erwartet, wenn Wilders seine Macht weiter ausbreiten kann.
Ob für uns Muslime seine Wahl eine Art Weckruf darstellt, den wir zu nutzen wissen, oder ein dumpfer Schlag
ins Gesicht sein wird, das entscheidet sich in den nächsten Monaten. Schuld haben allemal wir selber, denn jedes Volk bekommt den Führer, den es verdient
Drei Monate vor der Parlamentswahl sieht sich die PVV im Aufwind. Dem vorläufigen Ergebnis vom Donnerstag zufolge verdrängte sie im östlich von Amsterdam gelegenen Almere die Sozialdemokraten von der Macht. In Den Haag, dem Sitz der Regierung, wurde Wilders Partei zweitstärkste Kraft. Nur in diesen beiden Städten war die Partei angetreten. Dort hatte sie bei den Europawahlen im vergangenen Sommer besonders gut abgeschnitten.
Der Sieg der Partei für die Freiheit bei den Kommunalwahlen könnte die Niederlande dauerhaft verändern. Die politischen Gegner des Rechtspolitikers Geert Wilders fürchten gar soziale Unruhen wie in den Pariser Vorstädten, sollte dieser seinen Erfolg bei der Parlamentswahl wiederholen können.
Wilders’ Partei für die Freiheit (PVV) schaffte es bei den landesweiten Kommunalwahlen in der Gemeinde Almere aus dem Stand heraus, die sozialdemokratische Partei der Arbeit (PvdA) zu verdrängen und bekam fast 22 Prozent. In der Regierungshauptstadt Den Haag zieht die PVV als zweitstärkste Kraft nach den Sozialdemokraten in den Rat ein. Die Kommunalwahl gilt als Test für die vorgezogenen Neuwahlen, die am 9. Juni stattfinden.
Umfragen sehen Wilders derzeit auf dem zweiten Platz. „Wir werden die Niederlande zurückerobern von der linken Elite, die immer noch an den Islam, an Multikulti, an den Unsinn von Entwicklungshilfe und den europäischen Superstaat glaubt“, verkündete Wilders nach Bekanntgabe der Ergebnisse.
Sein Gegenkandidat in Almere, Shangram Karim, hat davor schon jetzt Sorge: „Wilders vergiftet das Zusammenleben. Wenn seine Partei hier künftig noch stärker wird, brennen Autos, und es drohen Unruhen wie in den Pariser Vorstädten“, prophezeit der 21-Jährige aus Bangladesch.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft entwickelt. Möge Allah den Muslimen den Sieg schenken und möge Allah das Volk zu einem kämpferischen Volk machen, das nicht klein bei gibt, sobald es eine Prüfung erlebt.
[update]TV-Tipp: “Schock-Entscheidung zum Minarettverbot – wie tief sitzt die Angst vor dem Islam?”
[Update]
Die Sendung ist online.
http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=244
[Update Ende]
Heute: Hart aber Fair” auf ARD um 21.45 Uhr – 23:00 Uhr
Ganz Europa redet über die Volksabstimmung in der Schweiz: Per Basisdemokratie werden da muslimische Minarette verboten. Ist so ein Verbot intolerant? Oder kann man damit sogar Integration erzwingen? Und unterschätzt die Politik auch bei uns, wie viel Angst die Bürger vor dem Islam haben?
http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2009/20091202.php5?akt=1
Es wird heute Abend mit Sicherheit kaum ein positives Wort über den Islam fallen, wenn wir uns nur die Besetzung der Studiogäste angucken:
Da wäre der Chefredakteur der Schweizer „Weltwoche“: Herr Roger Köppel, der vor der Sendung völlig sinnlos postuliert: "Ein Verbot der islamischen Symbole würde die Integration der Muslime fördern.", wir dürften gespannt sein, wie er dieses Scheinargument untermauern möchte…
Schock-Entscheidung zum Minarettverbot – wie tief sitzt die Angst vor dem Islam?
Dann ist da noch der Herr Wolfgang Bosbach, CDU-Innenexperte, der die Islamophobie in Deutschland mit trägt und Repräsentatn des elitären Islamhasses ist, da er mit einer elaborierten Ausdrucksweise versucht, die Christdemokraten und konservativen Deutschen unspürbar auf die rechte Seite zu locken.
Er warnt: "Der Schweizer Volksentscheid drückt Sorgen und Ängste aus, die wir ernst nehmen müssen. Denn auch in Deutschland fürchten viele eine Islamisierung der Gesellschaft."
Zu dem dritten Studiogast, Michel Friedman, muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Es ist bedauerlich, dass ihm überhaupt noch die Möglichkeit gegeben wird, sich frei im Fernsehen artikulieren zu dürfen, nach den ganzen Drogen und Sex-Skandalen, die er hinter sich her zieht, wie der Weihnachtsmann seine Geschenke…
Dennoch behauptet er: "Wer Minarette für einen Herrschaftsanspruch hält, sollte sich auch über Kirchenglocken aufregen."
Es wird interessant sein, auf welche Seite Friedmann sich dieses Mal stellen wird.
Bärbel Hohn, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, stellt sich auf die Seite der Muslime: "Es ist unverantwortlich, abstrakte Ängste zu schüren und Muslime auszugrenzen. Die Muslime sind Teil unserer Gesellschaft und wir können unsere Probleme nur gemeinsam lösen."
Aiman Mayzek, der einzige Muslim, der eingeladen wurde und somit "Zwangsvertreter" für 4,5 Millionen Bürger in Deutschland, wird insha'Allah ein paar gute Punkte nennen, um auf den permanenten und vor allem stark ansteigenden Islamhass in Deutschland aufmerksam zu machen, wenn Herr Plasberg ihn auch Mal reden lässt…
Wir werden es sehen insha'Allah.
Hart aber Fair” auf ARD um 21.45 Uhr – 23:00 Uhr
Marwa – letzter Gerichtstag
Es war heimtückischer Mord und das nicht aus nur rassistischen, sondern aus islamophoben Gründen.
Der Hass auf den Islam wird immer größer und wird aufgestachelt von Internetseiten wie PI-News.
In unseren Serien machten (und machen wir auch weiterhin insha‘Allah) mehrmals darauf aufmerksam, dass die Muslime in Deutschland oft ungerecht behandelt und oft abgeschreckt werden.
Unsere Schwester Marwa hat sich gewehrt, auf legitimen Wege, sie wählte für ihre Probleme das deutsche Gericht und musste dafür mit ihrem Leben büßen. Das können wir nicht akzeptieren.
Wir rufen dazu auf, den Gerichtssaal am entscheidenden Tag voll zu machen.
Seid in Dresden, wenn die Medien aus der ganzen Welt dort sein werden.
Unterstützt den Mann der verstorbenen Schwester, er ist auch euer Bruder.
Eilt nach Dresden!
Der Hass auf den Islam wird immer größer und wird aufgestachelt von Internetseiten wie PI-News.
“Islamophobie in der Mitte der Gesellschaft angekommen”
Hier nun ein neues Interview, welches von der “Linken Zeitung” geführt worden ist:
http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7073&Itemid=1
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und politische Aktivistin.
Texte von und über Evelyn Hecht-Galinski finden sich auf diesem Link bei Arendt-Art.
Linkezeitung: Der Mord an der 32-jährigen Muslimin Marwa El Sherbini rückt ein lange verdrängtes Thema auf die gesellschaftliche Tagesordnung: Islamophobie. Die Hetze gegen Muslime und den Islam wird nicht nur vom rechten Rand betrieben. Täglich gibt es viele diffamierende Pauschalisierungen in der ganz normalen bürgerlichen Presse wie „Der Spiegel” oder „Die Welt”. Schlüsselfigur zur Verallgemeinerung dieses besonderen Rassismus war der bekennende Islamhasser Henryk Broder. Tragen diese Hetzer von „Spiegel”, „Welt” und Broder nicht eine Mitschuld an der giftigen antimuslimischen Atmosphäre?
Evelyn Hecht-Galinski: In der Tat, Islamophobie wird nicht mehr verdrängt sondern offen gelebt. Bezeichnete sich Hendryk M. Broder anlässlich der Buchmesse in Frankfurt während eines HR Interviews doch selbst als islamophob. Das schafft natürlich ein ungutes Klima, das bis in die „Mitte der Gesellschaft” geht. Nicht der Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern die berechtigte Kritik an der menschenrechtsverletzenden Unrechtspolitik des israelischen Staates, begangen am palästinensischen Volk. Letztendlich ist aber durch Äußerungen, wie die von Broder, vom geistigen Brandstifter und Islamhetzer, Ralph Giordano und anderen, die Islamophobie in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der schreckliche Mord an der 32jährigen Muslimin ist nur der traurige Höhepunkt. In Deutschland müsste auch vielmehr auf die unsäglichen Äußerungen von rassistischen Islamophoben, wie dem gefährlich rassistischen Parteigründer Geerd Wijlders in den Niederlanden, aufmerksam gemacht und diese bekämpft werden. Auch hier vermisse ich den großen Aufschrei. Trifft uns nicht alle eine Mitschuld an dieser giftigen, aufgeheizten Atmosphäre, wenn wir dies tatenlos hinnehmen? Wehret den Anfängen.
Linkezeitung: Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stefan Kramer besuchte zusammen mit seinem muslimischen Kollegen Aiman Mazyek den verletzten Ehemann der Getöteten und bekundete sein Mitgefühl. Über diese Äußerung hat sich die muslimische Gemeinschaft in Deutschland sehr gefreut. Allerdings unterstützte der Zentralrat noch im Januar das Massaker Israels in Gaza. Israel ist ein Staat, der auf Vertreibung, ethnischer Säuberung und Drangsalierung der weitgehend muslimischen Palästinenser basiert. Auch stellt sich der Zentralrat bei rassistischen Entgleisungen immer wieder schützend vor Broder und solchen Leuten. Wie geht das zusammen?
Evelyn Hecht-Galinski: Ich kann mich über den Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, nicht freuen. Seine Anteilnahme schien mir mehr dem Medieninteresse gezollt. Das kann man sehr genau sehen, wenn man die Website des Zentralrats oder ihm nahe stehende Webblocks, wie H.C. und andere sieht. Auch Broders Schmähseiten gehören dazu.
Nicht umsonst unterstützt der Zentralrat Broder und steht voll hinter seinen Äußerungen, wie Präsidentin Knobloch in einem Interview anlässlich eine Prozesses, den ich gegen Broder führe, kundtat. Kramer betont, dass er als Jude und Angehöriger einer Minderheit wüsste, dass wer einen Menschen wegen seiner Rassen-, Volks- oder Religionszugehörigkeit angreift, nicht nur diese Minderheit, sondern die demokratische Gesellschaft als Ganzes angreift. Gleichzeitig unterstützt er aber die Unterdrückung der Palästinenser in Palästina und vertritt damit hier die israelische Unrechtspolitik. Daher sind seine Sätze unglaubwürdig. Er weiß gar nicht, was Solidarität mit Muslimen bedeutet. In Wirklichkeit kennt er nur Solidarität mit Israel. Das sieht man auch daran, dass Israel und der Zentralrat alle Untersuchungen über den Gazakrieg von der UN, Amnesty International und anderen Organisationen einfach negieren. Selbst die Aussagen der Organisation „Breaking the Silence” werden geleugnet. Ganz klar beging Israel Kriegsverbrechen im Gazakrieg gegen Zivilisten.
Das größte Freiluftgefängnis Gaza war in Wirklichkeit ein Laboratorium für neueste Waffen. Das Massaker, die Besiedlung, die ethnische Säuberung, anhaltende Blockade, die Israel weiter begeht, wird vom Zentralrat als Sprachrohr der israelischen Politik voll unterstützt.
Linkezeitung: Es gab keinen großen gesellschaftlichen Aufschrei über den rassistischen Mord. Aber auch die Linke hielten sich sehr bedeckt. Sich selbst links nennende Leute, sogenannte „Antideutsche” haben den Rassismus in Form des Islamhasses in die Linke getragen. Sie selbst sind zwar nur eine kleine Minderheit, aber sie haben weite Teile der Linken für einen Teil ihrer Argumentationen gewinnen können. Müssten linke Aktivisten und Antifaschisten nicht den Kampf gegen die allgegenwärtige Islamophobie mit ins Zentrum ihrer Aktivitäten stellen?
Evelyn Hecht-Galinski: Was heißt schon die „Linke”? Auch die Linkspartei ist über die israelische Politik in sich zerstritten. Die sog. Antideutschen sind für mich eine undefinierbare Gruppe, die Israel blind unterstützt durch Islamhetze, und die durch Störungen Israel kritischer Veranstaltungen auffällt. Es wäre mir wichtig, wenn alle gesellschaftsrelevanten Gruppen, egal zu welcher Partei- oder Religionsgemeinschaft sie gehören, sich gemeinsam zu den Menschenrechten bekennen. Wie betonte es auch Kanzlerin Merkel in ihren Reden: „Menschenrechte sind unteilbar”? Leider vergisst sie dabei z.B. die Menschenrechte der Palästinenser.
Linkezeitung: Was würden Sie den von der Hetze betroffenen Menschen in Deutschland raten? Wie können sie gegen diese Hetze aktiv werden?
Evelyn Hecht-Galinski: Ich würde uns allen raten mehr Zivilcourage zu zeigen und sich auch in der Öffentlichkeit, in Zeitungen, Parteien, Organisationen und Verbänden gegen jede Art von Rassismus und Hetze auszusprechen und zur Wehr zu setzen. Das sollten wir unseren demokratischen Grundwerten schuldig sein – gerade in Deutschland! Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass momentan eine Hetzkampagne vom Zentralrat, verschiedenen jüdischen Organisationen, Broder mit seiner „Achse des Guten”, und seiner „Lizas Welt” und befreundete Korrespondenten, wie z.B. Benjamin Weinthal und Ulrich W. Sahm , gegen Felicia Langer läuft, der alternativen Nobelpreisträgerin und israelischen Menschenrechtsanwältin, die vom Bundespräsidenten für ihr humanitäres Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen bekam. Mit dieser Aktion beschmutzen diese Leute unsere demokratische Verfassung. Das dürfen wir nicht zulassen. Sie sehen also, man sollte nicht nur vor muslimischen Websites warnen, sondern man sollte auch mal die Websites der sog. Israelunterstützer unter die Lupe nehmen.
Linkezeitung: Wir stehen am Anfang einer neuen Weltwirtschaftsdepression. Manche Analysten erwarten, dass die Krise schlimmer wird als die der 1930er Jahre. Versucht der Westen sich mit dem Feindbild der Muslime einen neuen Sündenbock auszugucken? Und sollen damit möglicherweise auch die Angriffskriege gegen Afghanistan, Irak, nun auch Pakistan und demnächst vielleicht Iran gerechtfertigt werden?
Evelyn Hecht-Galinski: Ich sehe nicht die Wirtschaftskrise als Auslöser. Hier geht es meiner Meinung auch um die Energievorräte im Kaspischen Meer, auf die der Westen auf keinen Fall verzichten will. Die Kriege begannen ja schon längst vor der Wirtschaftskrise. Ich sehe den westlichen Hochmut und die Arroganz, mit der die Welt in sog. genehme und sog. „Schurkenstaaten” aufgeteilt wird. Hier macht sich der sog. Westen schuldig, insbesondere die USA und wir in Europa und Deutschland im Schlepptau. Diese Angriffskriege, wie z.B. gegen Afghanistan gehen an der Mehrheit der deutschen Bevölkerung vorbei. Erinnern möchte ich auch an die Millionen Flüchtlinge in aller Welt, die durch diese Kriege heimatlos geworden sind. Ich frage Sie, wie kann es sein, dass ein kleines Land wie Israel die ganze Welt in Atem hält als Atommacht und hochgerüstete Militärmacht auf der ganzen Welt die Angst vor der sog. „Atommacht” Iran schürt? Hängt nicht Israel am Tropf der USA, und unterstützen nicht wir Israel mit Waffen (trotz Verbots in Krisengebiete zu liefern) und Handel? Wie lange wollen wir in Europa und den USA diesem Treiben noch zusehen? Da helfen nur Sanktionen bis zur Beendigung der israelischen Besatzungs- und Unterdrückungspolitik. Anstatt Kriege anzuzetteln und den Iran anzuprangern, der sicherlich kein Beispiel für demokratischen Umgang mit seiner Bevölkerung ist, sollten wir uns besser um die Verhältnisse und Wahlen z.B. in Ägypten und Saudiarabien kümmern. Im Gegensatz dazu waren die ersten freien Wahlen im Gazastreifen demokratisch und laut Beobachtern korrekt aber den USA, Israel und Europa nicht genehm. So sind wir unglaubwürdig, indem wir mit zweierlei Maß messen. Das wird auch Präsident Obama noch zu spüren bekommen. Schöne Reden allein genügen nicht, sondern nur konsequenter Druck. Ein von Israel angezettelter Krieg gegen Iran wäre eine Katastrophe und könnte einen Flächenbrand entfachen.
Linkezeitung: Viele antimuslimische Hetzer, viele bedingungslose Unterstützer der israelischen Politik aber auch viele andere Menschen – darunter insbesondere auch Linke und Intellektuelle – setzen Antizionismus mit Antisemitismus gleich. Stimmt diese Gleichsetzung?
Evelyn Hecht-Galinski: Wer immer noch nicht den Unterschied zwischen Juden, Zionisten und Israel, also zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik begriffen hat, wird zwangsläufig miteinander vermengen, was auseinander zu halten ist.
Mit dem Messer gegen Muslime
Es gibt Meldungen, die in den Massen der Mainstream-Medien einfach so untergehen. Ein Fall in Seattle zeigt uns wieder einmal, wie es um die Ernte der Islamophoben und der einseitig-negativen Islamberichterstattung in den Medien steht.
Eric Gardner ist das Endprodukt einer erfolgreich geführten Anti-Islam-Propaganda. Nachdem er durch die politische und mediale Hetzjagd hochgradig gegen Muslime geimpft wurde und ihm eingetrichtert worden ist, in Muslimen nichts anderes als Staatsfeinde Nummer eins zu sehen, ließ er seinen Hassgefühlen freien Lauf. Opfer seiner Mordlust wurde eine 25-jährige Muslima mit Kopftuch, die mit ihrem Baby unterwegs war. Eric Gardner empfing sie mit Worten, die seine antiislamische Gesinnung offen kundtaten:
“Ihr Muslime verschreckt Menschen, wenn ihr diese Kleidung anzieht. Wenn ich eine schwarze Frau sehe, würde ich mich am liebsten übergeben”
Plötzlich konfrontiert mit einem solchen Hasspotential, stellte ihm die nach außen sichtbar praktizierende Schwester verwirrt die Frage, was denn mit ihm los sei und wen er meinen würde. Darauf folgte die knappe Antwort: “euch muslimischen Leute”. Es kam zu einem kurzen Dialog, der mit Beschimpfungen seitens Gardner endete.
Alamiert durch sein agressives Verhalten, versuchte nun unsere Schwester sich und ihr sechs Monate altes Baby in Sicherheit zu bringen. Doch der Agressor verfolgte sie, holte sie ein und zog ein ca. 25 cm langes Messer heraus, das er mit folgenden Worten vor ihr Gesicht hielt:
“Ich werde dich und dein Baby mit diesem Messer aufschlitzen”
Ein Außenstehender, der Gott, dem Einen und Einzigen ohne Teilhaber sei Dank, die bedrohliche Szene mitverfolgt hatte, mischte sich ein woraufhin Gardner im weiteren Verlauf des Geschehens flüchtete.
In der darauffolgenden Nacht fand die Polizei den Amerikaner, der zu der Zeit auch die Tatwaffe mit sich trug. Er gab zu, dass Messer auf eine muslimische Frau gerichtet zu haben, da er laut seinen Worten
“seinen Anteil tat, um Amerika zu beschützen”.
Die Aussage unserer Schwester, die sie im Zuge der Vernehmung tätigte, möchten wir besonders hervorheben:
“Ich fühle mich verängstigt und entäuscht, dass er über muslimische Menschen geurteilt hat. Es ist nicht nur das Urteil. Er wollte mich und meinen 6 Monate alten Sohn töten. Ich möchte, dass die Menschen die Muslime als menschliche Wesen ansehen. Es gibt viele gute Menschen in Amerika. Muslime sind keine schlechten Menschen”
Der 24-jährige Garnder, der eine lange kriminelle Karriere aufzuweisen hat (Schikanierungen, Diskriminierungen, Körperverletzungen), sitzt nun in Haft mit einer Kaution von 100.000 Dollar.
Quelle: http://www.komonews.com/news/local/50303832.html
Der Mord an unserer Schwester Marwa (rah) hat es schon gezeigt. Die erfolgreiche Hetze der Islamophoben und die einseitige Berichterstattung der Medien weltweit, haben es soweit gebracht, dass Menschen nicht nur bereit sind, den Tod der Muslime im Internet zu fordern, sondern ihn auch in die Praxis umzusetzen. Doch anstatt dass die Politik klare Stellung bezieht, wird das Thema schwammig abgehandelt und das Problem und die daraus resultierende Gefahr, bleibt weiterhin präsent.
Möge Allah die Muslimin beschützen, amin, denn nur ER ist unser Schutzherr!
Weißt du denn nicht, daß Allah es ist, Der die Herrschaft über die Himmel und die Erde hat, und daß ihr außer Allah weder Schutzherrn noch Helfer habt?
(2:107)
Allah ist der Schutzherr derjenigen, die glauben. Er bringt sie aus den Finsternissen heraus ins Licht. Diejenigen aber, die ungläubig sind, deren Schutzherren sind die falschen Götter. Sie bringen sie aus dem Licht hinaus in die Finsternisse. Das sind Insassen des (Höllen)feuers. Ewig werden sie darin bleiben.
(2:257)
Die Menschen, die Ibrahim am nächsten stehen, sind wahrlich diejenigen, die ihm folgten, sowie dieser Prophet und die, die (mit ihm) glauben. Und Allah ist der Schutzherr der Gläubigen
(3:68)
O die ihr glaubt, wenn ihr denen, die ungläubig sind, gehorcht, lassen sie euch auf den Fersen kehrtmachen, und dann werdet ihr als Verlierer zurückkehren. Nein! Vielmehr ist Allah euer Schutzherr; und Er ist der beste Helfer.
3:149-150
Allah weiß sehr wohl über eure Feinde Bescheid, und Allah genügt als Schutzherr, und Allah genügt als Helfer.
(4:45)
BarakAllahu fiekum an die Geschwister
Interview mit Dr. Sabine Schiffer
Auf das neue Buch von Dr. Sabine Schiffer haben wir hier aufmerksam gemacht. Nun hat sie, anlässlich des Mordes an unsere Schwester Marwa, ein Interview mit unseren Kollegen der “Linken Zeitung” geführt. Vielen lieben Dank an Francis Bryne, der mit seinem Team tatkräftig gegen den wachsenden Islamhass vorgeht.
Hier nun das Interview:
Dr. Sabine Schiffer ist Leiterin des Instituts für Medienverantwortung iin Erlangen. Sie ist Mitherausgeberin des soeben erschienenen Buches „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich”. Das Buch ist im HWK-Verlag in der Reihe ‘Bücher, die unsere Weltsicht verändern’ erschienen. Es hat die ISBN 978-3-937245-05-8, ist überall im Buchhandel erhältlich und kostet 24,80 €.
Linkezeitung: Der offensichtlich durch antimuslimischen Rassismus motivierte Mord an einer Ägypterin in Dresden ist ein schrecklicher Höhepunkt einer jahrelangen Hetzkampagne gegen den Islam und Muslime. Die große gesellschaftliche oder mediale Empörung bleibt aus. Wie ist das möglich?
Frau Dr. Schiffer: Es ist eigentlich logisch – wer will schon zugeben, dass er selber oder wir insgesamt ein neues Problem haben? Nicht mehr ganz neu, aber nun offensichtlich: anti-islamische Einstellungen erzeugen nicht nur schlechte Stimmung und aufgeregte Polemiken, sondern auch Handlungsbereitschaften, wie man an einigen Brandanschlägen auf Moscheen und auch Friedhofsschändungen und an vielen Beleidigungen muslimischen Kopftuchträgerinnen gegenüber längst hätte sehen können und ernst nehmen müssen.
Die Politik wird sich sicher am wenigsten selbstkritisch bzw. zugestehend äußern, weil sie das Thema nicht nur heruntergespielt hat (ich könnte da von meinen Erfahrungen aus der Islamkonferenz AG 3 berichten), sondern es teils durch entsprechende Gesetze noch befödert: Kopftuchverbote, Muslimtests getarnt als Einbürgerungstests etc.
Linkezeitung: Die Anti-Islam-Hetze solcher Homepages wie „Politically Incorrect” oder rechter Splittergruppen wie „Pro-Köln” sind nur die Spitze des Eisberges.
Über die ganz normalen bürgerlichen Medien werden täglich antimuslimische Klischees und Diffamierungen verbreitet. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Frau Dr. Schiffer: Das monieren wir seit Jahren – vor allem den Usus, negative Ereignisse mit islamsichen Symbolen in der Berichterstattung zu “verzieren”. Dies suggeriert Zusammenhänge, die manche zwar gerne behaupten, um ihre Taten zu legitimieren, die aber journalistisch hinterfragt werden müssten. Jeder behauptete Zusammenhang wird ja nicht bildlich umgesetzt und damit verfestigt.
Ja, und auch linke Kreise – vor allem die Antideutschen – bauen ein anti-islamisches Feindbild auf, aber auch in der Mitte der Gesellschaft gehört Anti-islamisches teils zum guten Ton – s. Umfrageergebnisse des Allensbacher Instituts oder die Heitmeyer-Studie. Wer sich nicht “islamkritisch” äußert, gilt schon als verharmlosender “Gutmensch” oder gar noch als schlimmer “Islamisierer”. Gerade Gruppen, die Aufklärung und Humanismus hoch halten, wie die Giordano-Bruno-Stiftung befördern das anti-islamische Ressentiment, verkennend dass die von ihnen beschworenen Prinzipien Pluralismus und Gleichwertigkeit bedeuten würden – genau diese Ideale verraten sie aber zugunsten ihrer selbstidealisierenden Sicht des vermeintlich besseren Durchblicks.
Linkezeitung: Es schleicht sich der Verdacht ein, dass mit der Hetze der Kriegseinsatz in Afghanistan gerechtfertigt werden soll und möglicherweise ein Sündenbock für die Weltwirtschaftsdepression ausgeguckt werden soll. Halten Sie das für möglich?
Frau Dr. Schiffer: Genau dieser Verdacht wird durch die Kommentare Günter Lachmanns in der Welt bestätigt (man erinnere daran, dass Antisemitismus auch immer neben der erfolgreichen Integration von Juden existiert hat und existiert!). Er stellt damit aber keine Einzelmeinung dar, führt nur schön vor, wie die Denkschiene funktioniert. Wer so tut, als würde die Forderung danach, Islamophobie als Problem der Mehrheitsgesellschaft anzuerkennen, sog. “islamistische” Anschläge in Deutschland befördern, der sucht zu verhindern, dass man derlei tatsächlich mögliche Anschläge als Ausdruck einer Ablehnung des Krieges in Afghanistan und anderen islamischen Ländern wahrnimmt. So schafft man Kohärenz, die die eigene Interpretation bestätigt, nur nichts mit der Realität zu tun hat. Hier verweise ich gerne auf Graham Fuller, der in seinem Buch fragt, wie der Nahe Osten ohne Islam aussähe: er kommt zu dem Schluss GENAUSO, wenn die Politik, die im wesentlichen von außen bestimmt wird, so bleibt.
Mit dem Verweis auf sogenannte Islamisten oder unter ständiger Verwendung des Adjektivs “radikalislamisch” kann man wunderbar von den relevanten Zusammenhängen ablenken. Auch darum wird wohl die Politik hier nicht an echter Aufklärung interessiert sein, seitdem Deutschland deutlich auf Kriegskurs gegangen ist – die anti-islamische Legitimierung, die oft auch als vermeintliches Helfersyndrom für muslimische Frauen (Stichwort. Burka, Mädchenschule) daher kommt, lässt sich aus etlichen offiziellen Texten bis hin zur sog. EKD-Friedensdenkschrift herauslesen.
Linkezeitung: Besonders auffällig ist das große Schweigen bei weiten Teilen der Linken. Das Thema scheint die Linken noch nicht erreicht zu haben. In Ihrer ersten Stellungnahme schrieben Sie: „Unser Mitgefühl gilt der Familie des Opfers! Unsere Sorge uns allen – ohne Ausnahme.” Die Hetze gegen die Muslime betrifft uns alle. Warum?
Frau Dr. Schiffer: Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, hat das Wichtigste auf den Punkt gebracht: heute trifft es die Muslime, morgen vielleicht wieder die Juden, und wen dann? (Vortrag 11.7.2007, Mannheim). Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist eben vor allem Menschenfeindlichkeit und betrifft uns alle. Wie beim Antisemitismus muss es uns gelingen, nicht beim Starren auf die jeweils betroffene Gruppe stecken zu bleiben, sondern zu verstehen, welche Funktionen rassistische Stereotype für die sog. Mehrheitsgesellschaft haben: sie bieten Projektionen zur eigenen Entlastung, haben meist selbstidealisierenden Charakter und können für weiterreichende Manipulationen ausgeschlachtet werden, wozu die Kriegspropaganda ebenso gehört wie die Ablenkung von relevanten Zusammenhängen etwa im Kontext der Wirtschaftskrise, der weltweiten Frauenbenachteilung usw.
So kann alles so bleiben, wie es ist, denn das Problem liege ja bei den anderen, die man sowieso nicht verändern können – eine extrem antiaufklärerische Einstellung. Dies blendet die konstruktiven Handlungsmöglichkeiten aus – und eine friedliche Welt kann nur eine gerechte sein, sonst wird es uns früher oder später alle treffen. Der in die Welt hinausgetragene (Wirtschafts-)krieg ist noch immer wieder zu denen zurück gekommen, die ihn entfacht haben. Übrigens, die taz und die Junge Welt waren mit die ersten Zeitungen, die die Thematik nach unserer Pressemitteilung aufgegriffen haben – insofern denke ich, wie sollten auch die Linke(n) nicht verallgemeinern.
Linkezeitung: Muslimische Verbände protestieren und demonstrieren für eine Schließung der aggressivsten Hetz-Homepages und hoffen auf ein Ende der Diffamierungen in den bürgerlichen Medien. Bräuchten sie da nicht mehr Unterstützung?
Frau Dr. Schiffer: Ja, dringend. Wo sind die jahrelangen Dialogpartner? Die Kirchen? Wo ist Wolfgang Schäuble, der sich gerne mit muslimschen Vertretern medial in Szene setzt? Von Angela Merkel will ich gar nicht reden. Was für eine Enttäuschung und Desillusionierung muss da auf seiten der Muslime vorliegen – außer uns und dem Berliner Tagesspiegel hatte sich zunächst noch der Interkulturelle Rat entsprechend geäußert (der hat übrigens letztes Jahr bereits ein Konzept zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit vorgelegt) – das offizielle Berlin schweigt. Peinlich, peinlich und vor allem jetzt, wenn deutlich wird, dass man allenfalls im Sinne einer außenpolitischen Public Diplomacy den Mund aufmacht.
Die eigenen Muslime hat man solange als Problemfall konzipiert, dass man sich offensichtlich schwer tut, aus den eingefahrenen Denkmustern wieder herauszudenken und sie wirklich als Teil des WIR zu empfinden und so zu behandeln.
Linkezeitung: Wie könnte eine solche Unterstützung aussehen?
Frau Dr. Schiffer: Es gibt derzeit konkret einige Überlegungen – vielleicht mag sich die Politik hier anschließen, willkommen! Eine Patenschaft für den Sohn des Opfers von einer renommierten deutschen Organisation wäre zunächst einmal ein wichtiges menschliches Signal.
Dann gehört das Thema Islamfeindlichkeit auf die Tagesordung, z.B. weiß ich, dass die Arbeiterwohlfahrt das Problem erkannt hat und sich schult, um entsprechende pädagogische Konzepte zur Bekämpfung des Ressentiments zu entwickeln. Entsprechende Programme benötigen wir etwa auch im Rahmen der Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung oder der entsprechenden Ämter, die Rechtsextremismus, Antisemitismus und Antiziganismus bekämpfen.
Überhaupt bräuchten wir eine Plattform, die ähnlich ausgerichtet wie das Zentrum für Antisemitismusforschung wissenschaftliche Ergebnisse zur Islamophobie sammelt, sowie anti-islamische Vorfälle dokumentiert und die Erkenntnisse auch in die Öffentlichkeit trägt. Das Zentrum für Antisemitismusforschung hat hier wichtige Vorarbeit geleistet und ist v.a. von Antideutschen heftig angegriffen worden dafür – vor allem, weil man es wagte den Begriff Islamophobie zu verwenden.
Nun, Antisemitismus ist auch ein falscher Begriff eigentlich, aber wir haben ihn inzwischen definiert und das Problem erkannt und darum sollte es doch gehen. In Dresden könnten die entsprechenden involvierten Stellen bis hin zum Max-Planck-Institut etwas tun, von einer aufmerksamkeitsträchtigen Veranstaltung, die die Problematik deutlich macht bis hin zu einer Spendensammlung für die Familie und andere, die ihn ähnlicher Situation sind: viele muslimische Frauen finden ja wegen ihres Kopftuches keine Stelle, wie Marwa El-Sherbini.
Wäre natürlich schöner, sie würden eine finden, aber ein Unterstützungsfonds könnte das Unrecht aufwiegen, dass hier ein Streit auf dem Rücken von Frauen ausgetragen wird, die damit auch die schwerste Last der Irrationalität der anderen zu tragen haben. Wenn ich hier alles widergebe, was diskutiert wird und, könnten wir noch lange reden – der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Juristisch wäre allerdings mindestens eine wichtige Grenze noch zu prüfen: sollen volksverhetzende Blogs und Kommentareinträge im Internet straflos ausgehen, weil der Server im Ausland steht? Hier wäre eine internationale Lösung anzustreben, die ethische Standards umsetzt und sich nicht hinter Meinungsfreiheit versteckt – denn in Bezug auf andere Darstellungen haben wir uns Maßstäbe erarbeitet und die müssen auf alle Anwendung finden, um glaubwürdig zu bleiben.
Wir danken für das Interview. Das Interview wurde geführt von Francis Byrne.
Quelle: http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7027&Itemid=1
Buchempfehlung: “Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich”
Wir haben das Buch zwar selbst nicht gelesen, aber es klingt vielversprechend:
Buchankündigung: “Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich” von Sabine Schiffer und Constantin Wagner
Erinnern alleine reicht nicht…
Auch so könnte man die Auseinandersetzung überschreiben, die die Autoren in ihrem Buch austragen. Denn offensichtlich verhindert die Erinnerungskultur um den Holocaust nicht, dass der Antisemitismus weiterlebt und neue Formen von Rassismus am Horizont aufscheinen. Etwa das Feindbild Islam. Aber gerade das Thema Islamfeindlich¬keit scheint jene aufzuschrecken, die sich eingerichtet haben im Wohnzimmer der rückwärtsgewandten Betrachtung der Geschichte – ohne etwaige Erkenntnisse auf die Gegenwart zu beziehen. Dieser Prozess ist mit diesem Buch nicht mehr aufzuhalten.
In fast regelmäßigen Abständen ergibt sich die Diskussion, ob die heute feststellbare Islamfeindlichkeit mit dem Antisemitismus früherer Zeiten vergleichbar sei. Meist aufgeregt und schnell unsachlich kochen die Polemiken hoch. Unvergleichlichkeitsdogmen werden formuliert, Tabus beschworen sowie vermeintliche Tabus gebrochen und mit viel Verve und vergleichsweise wenig Sachverstand an Moral und Political Correctness appelliert. All dies dient nicht der Klärung.
Auch als sich das renommierte Zentrum für Antisemitismusforschung in seinem Jahrbuch 2008 und auf Tagungen mit diesen Fragestellungen befasste, erntete es vorgefasste Ablehnung statt sachdienlicher Auseinandersetzung. Der Streit deutet auf tiefsitzende Ängste einerseits, und ebenso tiefsitzendes Unverständnis und Unwissen andererseits hin. Haben wir die richtigen Lehren aus der deutschen Geschichte gezogen? Welche genau sind dies? Was wurde nicht erkannt? Und vor allem, warum gelingt es uns so schlecht, uns antisemitische Muster außerhalb des Nationalsozialismus zu vergegen¬wärtigen? Und wie kommen wir dazu zu glauben, dass wir heute davor gefeit seien, andere zu diskriminieren – ja gar zu verachten und schließlich zu entmenschlichen?
Dieser Fragenstrang bildet eine Grundlinie im Buch von Sabine Schiffer und Constantin Wagner „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“, das im Sommer 2009 im HWK-Verlag erscheint. Ein zweiter Fragenstrang betrifft die nüchterne Analyse und den Vergleich des antisemitischen Diskurses – vor allem Ende des 19. Jahrhunderts – mit dem antiislamischen von heute. In der Zusammenschau der jeweiligen Argumentationslinien und der Polemiken bzw. Verbalattacken ergeben sich sowohl Parallelen, etwa die Argumente der Synagogen- und Moscheebaustreitigkeiten, als auch Unterschiede, etwa in Bezug auf eine mehr oder weniger eingebildete globale Gefahr durch die jeweils dämonisierte Gruppe.
Neben diesen historisch ausgerichteten Diskursanalysen beschäftigen sich die Autoren aber auch mit vielen aktuellen Diskussionen. Weder wird der Fall Faruk Sen ausgespart, noch der sich zuspitzende Judenhass unter einigen Muslimen, wie auch der zunehmende Muslimhass unter einigen Juden. Auch der Nahostkonflikt als neuralgischer Punkt für Polarisierungen wird in seiner Funktion für die ein oder andere Argumentation mit einbezogen – denn gegenseitige Ressentiments speisen sich einerseits immer aus einem „wahren Kern“ und andererseits aus den darum herum konstruierten Mythen, Verschwörungstheorien und Dämonisierungen, die teils gewollt sind, teils auf Missverständnissen beruhen, wie die Autoren aufzeigen.
Der Hauptfokus des Buches liegt aber auf der aktuellen Situation in Deutschland und auf den Wirkungen, die die immer aggressiver werdenden Verbalattacken auf einzelne Gruppenmitglieder haben. Dabei gelingt es nachzuvollziehen, dass Zuspitzungen und Diskriminierungen sich nicht im luftleeren Raum entwickeln, sondern das Produkt eines komplexen Wechselspiels im täglichen Miteinander und den alles überlagernden öffentlichen Diskursen ist. Ohne die Akteure ihrer Verantwortung für die dann vollzogenen Handlungen zu entheben, eröffnen die Autoren jedoch eine Perspektive auf mögliche Ansätze zur Bearbeitung der entstandenen Vorurteile. Dazu führen sie am Schluss des Buches und sozusagen als Ausblick auf eine mögliche Zukunft eine Reihe von Beispielen an, die durch ihre Existenz alleine belegen, dass die künstlich aufgebauten Grenzen überwindbar sind.
Ohne Schönfärberei, aber auch ohne Dramatisierung und trotzdem höchst interessant und oft spannend, tragen die Autoren auf 288 Seiten alles Relevante zum Thema zusammen. Sie zeichnen ein menschliches Bild von Konflikten und erklären Zusammenhänge, die eigentlich auf der Hand liegen, aber oft von kontraproduktiver Aufgeregtheit überdeckt werden. Es gehört zur Pflichtlektüre derer, die sich ernsthaft mit den Themen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rassismus, Gruppendynamik, diskriminierende Diskurse und Feindbilder auseinander setzen wollen.
Entnommen aus:
http://www.presseanzeiger.de/meldungen/gesellschaft-kultur/280501.php



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