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Lehramtsstudium

Lehramtsstudium mit Kopftuch

Vor mittlerweile zwei Jahren habe ich mich, nach intensiver Beschäftigung mit dem Islam, mitten im Studium dazu entschlossen, mich so zu kleiden, wie der Islam es mir als muslimische Frau gebietet. Es war für mich keine einfache Entscheidung , da ich ein Studium angefangen hatte, welches letztlich sogar ganz real mit einem Kopftuchverbot verbunden ist. Das Lehramtstudium.

Als ich es nicht mehr ertragen konnte, dass meine innere Überzeugung meiner äußeren Erscheinung nicht entsprach, gab ich mich dem Willen Gottes hin.

An der Uni hatte ich bisher überhaupt keine Probleme mit meiner Bedeckung. Aber von der Theorie allein wird man nicht zu einer guten Lehrerin. Natürlich muss unter anderem auch ein Praktikum an einer Schule her.

Um ehrlich zu sein hatte ich mit ungemein vielen Problemen während meines Praktikums gerechnet. Die Lehrerschaft war sehr überrascht und etwas perplex als eine Praktikantin mit Kopftuch plötzlich im Lehrerzimmer stand. Nach anfänglichem Misstrauen und Distanz kam mit vielen Lehrern letztlich ein Dialog zustande, der viele Vorurteile abbaute und Fragen aufklärte.

Auch Unterrichtsbesuche und selber Stunden halten waren bisher kein Problem. Mir wurden, alhamdulillah, noch keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt.

Diese Woche durfte ich mich wie ein Kind freuen, als mich eine Lehrerin in den Ethikunterricht einlud, weil sie das Thema „Die Verschleierung der muslimischen Frau“ behandeln wollte. Und ich muss sagen, es war super!
Die Stunde verlief so, wie ich es in den Medien zum Thema Kopftuch jeden Tag vermisse. Es war ein offener Dialog, ein wahrer Dialog zwischen mir und den Schülern.

Die Schüler hatten tausende von Fragen und zeigten sehr viel Interesse. Sie wollten zum Beispiel wissen warum ich eine Bedeckung trage , seit wann, wie meine Umgebung auf mein Kopftuch reagierte und ob ich bisher irgendwelchen Diskriminierungen ausgesetzt war. Aber auch praktische Dinge wie, das Kopftuchbinden, welche Techniken es gibt das Tuch zu befestigen, ob es im Sommer nicht heiß darunter sei und vieles mehr hat sie sehr interessiert.

Danach beschäftigten wir uns auch mit der Frage, wie sie das Kopftuchverbot für Lehrerinnen finden und dies stieß zu meiner Freude auf absolutes Unverständnis seitens der Schüler. Sie meinten, dass eine Lehrerin mit oder ohne Kopftuch im Endeffekt doch das Gleiche unterrichten würde.

Diese Erfahrung durfte ich nicht nur in dieser Stunde machen, sondern erlebe sie täglich während meines Praktikums. Die Schüler nehmen das Kopftuch gar nicht als Störung wahr. Das Einzige was sie wollen ist guter und spannender Unterricht.

Letztendlich ermutige ich jede Schwester, die gerne Lehrerin werden möchte, trotz eines Verbotes ein Lehramtstudium anzufangen. Wir dürfen unsere Entscheidung nicht von einer diskriminierenden Gesetzesauflage abhängig machen, denn so lassen wir nur die muslimische Frauendiskriminierung widerspruchslos über uns ergehen.

Das Verbot kam ja nur durch abstrakte Behauptungen, wie "Schüler werden negativ beeinflusst", zustande. Indem die Skeptiker aber einmal auf "Tuchfüllung" gehen, bekommen wir dann die ideale Möglichkeit das Gegenteil zu beweisen.

Von einer Schwester